Das Blut, das Schwert, die Liebe
Kapitel 26
Die Reise ins Ungewisse
»Was mich in Muantur erwarten wird, weiß ich nicht. Ich weiß aber, dass wir uns niemals ergeben werden.«
(Eefral, Protektorin von Edderas)
Nach dem Versiegen der Quelle war der Strudel im versteckten Meer verschwunden. Auch den seit Jahrtausenden währenden, dichten Nebel gab es nicht mehr. »Wir müssen uns nun einen neuen Namen für diesen Teil der See ausdenken«, dachte Kapitän Benger.
Die Nebelbrecher hatte Kurs auf Noslahr genommen. Dem Kapitän war bewusst, dass er bald feindliches Gewässer erreichen würde. Sein Schiff und seine Besatzung waren für einen Kampf bereit. Ein einzelnes feindliches Schiff war für die Nebelbrecher keine ernsthafte Gefahr. Benger war sich sicher, dass er es auch mit mehreren Feinden aufnehmen konnte. Die Magistratsschiffe hatten seinen weitreichenden Kanonen nichts entgegenzusetzen.
Die junge Steinelfenfrau, die sich Protektorin von Edderas nannte, hatte ihm versichert, dass sie unbehelligt in den Hafen von Noslahr einfahren konnten und die Nebelbrecher freies Geleit für ihre Heimfahrt bekommen würde.
Eefral und ihre Begleiter saßen in der Messe des Unionsschiffes. Ihnen wurden Getränke und Speisen gereicht. Die Besatzung war ihnen zurückhaltend begegnet. Der Kapitän hatte zwei Krieger vor der Tür postiert. Zu ihrem Schutz, wie er sagte.
»Das ist ein sehr seltsames Schiff. Ich bin es gewohnt, die typischen Geräusche einer Segelgaleere zu hören. Hier ist nichts davon zu bemerken«, äußerte Yyehal leise.
»By´wala, du warst Beraterin des Königs. Hast du schon einmal von so einem Schiff gehört?«
»Nein, Botschafterin. Niemals. Ich bin genauso überrascht wie du.«
»Dieses Schiff ist gefährlich für den Magistrat. Wenn es noch mehr davon und diesen Kanonen gibt, dann sind unsere Schiffe unterlegen, trotz unsere Magie«, sagte die Kapitänin der Protektor von Muantur.
»Ich hoffe, Kämpfe wird es künftig nicht mehr geben«, sprach Ta´elga.
Sinan Eldar seufzte. »Ich werde dann wohl doch an Altersschwäche sterben. Eine schreckliche Vorstellung.«
Rresyna sah den Menschenmann liebevoll an. »Du kannst mit mir in Lagtur auf Sandechsenjagd gehen. Es ist zwar nicht so, wie du es gewohnt bist, aber ich werde immer an deiner Seite sein.«
»Im Moment kann ich mir nichts Schöneres vorstellen als ein Leben mit dir.«
»Dann wirst du uns nach Lagtur begleiten, Sinan?«, fragte Aasaly.
»Ja, das werde ich, zuerst aber gehe ich mit der Protektorin und Aaghyl nach Muantur.«
»Wir werden gemeinsam dorthin reisen«, bekräftigte der ehemalige Lord des Magistrats.
»Ta´elga und ich werden gemeinsam zum König der westlichen Königreiche gehen«, sie wandte sich an die Botschafterin, »wenn du einverstanden bist.«
»Ja, natürlich. Deine Unterstützung ist mir willkommen.«
»Da´ral, du kehrst zu General Tehryn zurück und erstattest ihm Bericht. Du Burh´an wirst ihn begleiten«, bestimmte Ta´elga.
»Einverstanden«, bejahte der Waldelfenmann.
»Ich übergebe dem General meine Karten. Die könnten eines Tages nützlich sein«, erwähnte Burh´an.
Se´lira sah Dar´al an. »Ich werde Ta´elga und By´wala begleiten. Ich bin neugierig auf Minae. Ich habe viel über diese Stadt gelesen.«
Kapitän Benger betrat die Messe. Er wandte sich an Eefral. »Wenn ich es richtig verstanden habe, dann seid ihr eine Protektorin und damit eine hohe Führerin im Magistrat.«
»Ja, Kapitän, so ist es.«
»Dann möchte ich euch auf die Brücke bitten. Wir erreichen in Kürze Noslahr.«
Rresyna wollte sich erheben, doch Sinan hielt sie zurück. »Nur Eefral ist gemeint.«
»Aber der Mensch sprach von ihr und euch.«
»Ja, unter Menschen der Union ist es üblich, sich so anzusprechen.«
»Das verwirrt mich. Warum können sie nicht einfach sprechen wie du und ich.«
Eefral sah, dass ihre Begleiter sitzen blieben. »Ich werde nicht allein mit dir kommen. Aaghyl wird mich begleiten.« Sie sah dem Kapitän fest in die Augen. »Und das ist keine Bitte.«
»Wie ihr wünscht.«
Aaghyl und Eefral gingen hinter dem Kapitän. »Eefral, wenn wir angegriffen werden, kann ich dir nicht helfen, ich bin unbewaffnet und meine Magie ist nicht mehr wie vorher«, flüsterte ihr Vater.
»Mache dir keine Sorgen. Ich habe dafür gesorgt, dass du wieder dein Schwert ziehen kannst.«
Aaghyl sah seine Tochter überrascht an. Eefral tippte sich mit einem Finger an ihre Schläfe. »Magie der Herrscher«, sagte sie lächelnd.
Die Nebelbrecher hatte die Einfahrt zum Hafen von Noslahr unbehelligt erreicht. Die Hafeneinfahrt wurde von zwei mächtigen Steintürmen flankiert. Üblicherweise wiesen ihre großen Leuchtfeuer den Schiffen den Weg. Diese waren jetzt erloschen. Die Türme waren ständig von Kriegern besetzt, jetzt waren sie leer. Niemand war dort zu sehen.
Eine Kriegsgaleere lag neben der Einfahrt. Ihre Ruder hingen bewegungslos im Wasser. Der leichte Seegang drückte das Schiff immer wieder gegen die Mauer, die den Hafen umschloss. An Bord schien sich niemand aufzuhalten.
Aaghyl betrachtet die Szene ungläubig, während das Unionsschiff langsam in den Hafen einfuhr. Die Besatzung war auf ihren Posten, die Geschütze waren besetzt und feuerbereit.
An den Piers lagen keine Schiffe, nicht einmal ein einziger Frachter. Auf dem gesamten Hafengelände war kein Wesen zu sehen. So hatte Aaghyl Noslahr noch nie erlebt. »Kein Wesen ist zu sehen. Was ist hier passiert?«
Kapitän Benger hatte die Hafenstadt durch sein Fernrohr abgesucht, auch er hatte niemanden entdecken können.
»Das ist schon sehr unheimlich. Die Stadt scheint wie ausgestorben zu sein.« Er wandte sich an Eefral. »Was schlagt ihr vor?«
»Bringe uns an Land. Ich muss nach Muantur reisen, ganz gleich, was hier geschehen ist.«
Benger gab einige Befehle und schon kurze Zeit später legte die Nebelbrecher an einem Landungssteg an.
Aaghyl und Eefral befanden sich wieder in der Messe des Schiffes.
»Es ist so weit. Wir werden euch nun verlassen«, verkündete der ehemalige Lord des Magistrats.
Ta´elga trat zu ihrem Geliebten und umarmte ihn. »Ich hoffe, wir sehen uns bald wieder«, sagte sie betrübt.
»Ich bin sicher, das werden wir.«
Währenddessen sprach Rresyna mit By´wala. »Das war ein großes Abenteuer, Waldelfe. Ich werde dich vermissen, By´wala.«
»Ich werde dich eines Tages wiedersehen, Jägerin.« Ihr Blick streifte kurz Sinan Eldar. »Wir werden noch viele Abenteuer gemeinsam bestehen.«
Rresyna hatte bemerkt, dass die Waldelfenfrau den Menschenmann kurz angesehen hatte. »Ja, und einige andere Dinge bedürfen dringend einer oder mehrerer Wiederholungen«, bestätigte sie zweideutig.
Aaghyl, Eefral, Aasaly, Rresyna, Yyehal und Sinan Eldar hatten die Nebelbrecher verlassen und schauten dem Schiff nach, wie es den Hafen von Noslahr verließ.
»Machen wir uns auf den Weg. Wir sollten versuchen, uns ein paar Reittiere zu organisieren. Sonst wird es ein sehr langer Fußmarsch«, schlug der Steinelfenmann vor.
»Wie wäre es mit euren Reitdämonen?«, fragte Yyehal die beiden Sanguenritter.
»Diese Magie beherrschen wir jetzt nicht mehr. Sie ist mit den Herrschern verschwunden«, antwortete Sinan.
»Kann Eefral nicht helfen?« Aasaly sah ihre Tochter auffordernd an. Diese schüttelte ihren Kopf. »Nein, das kann ich nicht. Dämonen zu erschaffen gehörte zur dunklen Magie der Herrscher. Diese dunklen Zauber gibt es nicht mehr.«
Rresyna seufzte tief. »Das habe ich nicht anders erwartet. Auf dieser Reise bin ich zur Meisterin der Höhle und eine Meisterin des Wartens geworden. Warum sollte ich nicht auch zur Meisterin der langen Fußmärsche werden. Also los, Gefährten. Enttäuscht mich nicht.«
Sie gingen die Straße hinunter, auf der noch vor kurzer Zeit, bei ihrer Ankunft, so viele Wesen an den Straßenrändern gekniet hatten. Ihre Schritte klangen hohl zwischen den Wohntürmen.
Aasaly fühlte sich unbehaglich. »Diese Stadt so zu sehen ist mir nicht geheuer.«
»Wir müssen zum Regierungsturm. Vielleicht finden wir dort ein paar Reittiere«, schlug Aaghyl vor.
Auf dem Weg dorthin trafen sie auf einen jungen Steinelfenmann. Er kam aus einer Seitenstraße und sah sich immer wieder ängstlich um. Als er die kleine Gruppe erblickte, wirkte er erleichtert und kam schnell auf sie zu. Vor ihnen beugte er sein Knie. »Den Herrschern sei Dank, Erhabene.«
»Erhebe dich. Was ist hier passiert?«, fragte Eefral den Mann.
Der Steinelf sah die junge Frau forschend an. »Verzeih, Erhabene. An deiner Kleidung erkenne ich, dass du eine Protektorin bist. Dennoch sieht sie nicht wie gewöhnlich aus.«
Die Lederkleidung von Protektoren war mit einem bestimmten Muster aus hellblau leuchtenden Linien überzogen. Bei Eefrals Kleidung war dieses Leuchten erloschen. Sie konzentrierte sich kurz und die Linien erstrahlten wieder in dem bekannten Licht.
»Ist es so besser?«, fragte sie den Mann.
Er sank wieder auf seine Knie. »Verzeih, Erhabene, dass ich gezweifelt habe.«
»Schon gut, erzählst du mir jetzt, was hier geschehen ist?«
Der Steinelfenmann erhob sich. »Ja, das werde ich. Mein Name ist Loral. Ich arbeite im Regierungsturm. Ich habe einige Untote und Dämonen befehligt. Ich habe gerade eine Arbeit für unsere Protektorin ausgeführt, als plötzlich meine Diener verschwanden. Einfach so. Von einem Augenblick zum anderen waren sie fort. Ich war verwirrt. Vielleicht hatte die Protektorin sie gerufen, dachte ich. Ich machte mich auf den Weg zur Turmspitze. Überall sah ich die gleiche Verwirrung und Fassungslosigkeit, die auch von mir Besitz ergriffen hatte. Nirgendwo traf ich auf Untote und Dämonen. Als ich dann die Räume der Protektorin fast erreicht hatte, kam sie mir entgegen. Sie aber nahm mich überhaupt nicht wahr. Sie lief einfach an mir vorbei, dabei sprach sie immer vor sich hin, die Herrscher sind fort.«
»Weißt du, wo sie jetzt ist?«, unterbrach Eefral Loral.
»Vielleicht. Ich sah, dass sie ihren Wagen bestieg und in Richtung Muantur gefahren ist, Erhabene.«
»Wo sind die Bewohner von Noslahr?«, fragte Aaghyl.
»Ich habe die ganze Stadt durchsucht. Alle sind in den Wohntürmen, niemand traut sich heraus.«
»Warum das?«
»Daran sind wohl die Cwok Soldaten schuld. Sie verließen ihre Posten und jeder, der sie aufhalten wollte, wurde von ihnen niedergestreckt, Erhabene.« Lorals Fassungslosigkeit war ihm immer noch anzusehen.
»Sie sind dann geschlossen zum Hafen marschiert und mit zwei Schiffen davon gefahren«, fuhr er fort.
»Das kann ich kaum glauben«, flüsterte Yyehal entgeistert.
»Ich kann es selbst nicht glauben, aber so war es. Aber es kommt noch schlimmer. Nirgendwo konnte ich Untote und Dämonen finden. Sie sind einfach fort, als hätte sie es niemals gegeben.«
»Wenn es überall so ist, dann gibt es keine Armeen mehr. Wir sind wehrlos«, sprach Rresyna entsetzt.
»Loral, gibt es hier noch Pferde? Wir müssen dringend nach Muantur.«
»Ja, Erhabene. In den Stallungen des Regierungsturms gibt es noch Pferde. Ich führe dich dorthin.«
In den Stallungen sattelten sie die Pferde und packten noch etwas Proviant ein. Eefral wandte sich ein letztes Mal an den jungen Steinelfenmann. »Loral, Noslahr darf nicht im Chaos versinken. Du musst dafür sorgen, dass hier wieder Ordnung einkehrt. Ich ernenne dich zum Turmmeister von Noslahr.«
Turmmeister waren überall dort, wo keine Protektoren anwesend waren, die weltlichen Führer im Magistrat.
»Wie du befiehlst, Erhabene. Ich werde dir dienen. Mögen die Herrscher dich leiten.« Nach einer kurzen Pause fügte er hinzu: »Falls es die Herrscher noch geben sollte.«
Nach einigen Tagen erreichte die Nebelbrecher Minae, die Hauptstadt der westlichen Königreiche. Ta´elga, By´wala, Se´lira, Dar´al und Burh´an standen an der Reling. Der Hafen lag unterhalb der Stadt. Breite Treppen führten von hier aus hinauf. An den zahlreichen Anlegern lagen Segelfrachter, die be- und entladen wurden. Im Gegensatz zu Noslahr war hier ein geschäftiges Treiben zu beobachten.
Das Kriegsschiff fuhr auf eine Felsenformation zu, die neben dem eigentlichen Hafen lag. Ein riesiges stählernes Tor öffnete sich vor der Nebelbrecher und sie fuhr in eine große Höhle ein.
Langsam fuhr die Nebelbrecher an zwei Docks vorbei, auf denen an weiteren Schiffen von der Art des Kriegsschiffes gebaut wurde.
By´wala zeigte auf die Docks. »Es überrascht mich, welchen Fortschritt die Menschen machen.«
»Ich stimme dir zu. Selbst Mog’il und der Rat der Neun ahnen hiervon nichts«, bestätigte Se´lira.
»Ist es nicht seltsam, dass der König solche Geheimnisse vor uns hat?«, fragte Ta´elga ihre Geliebte.
»Ja. Verbündete sollten so etwas nicht voreinander verbergen.«
»Wir werden den König danach fragen«, schlug die Ordonnanzoffizierin vor.
Inzwischen hatte die Nebelbrecher festgemacht und Kapitän Benger trat zu ihnen.
»Ich werde euch begleiten.«
»Glaubst du, dass wir den Weg zur Burg Zephyrus nicht allein finden?«, fragte By´wala.
»Doch, doch. Ich muss dem König aber berichten, was an der Quelle geschehen ist.«
»Das können wir auch, sogar noch ausführlicher. Aber sei es drum, dann begleitest du uns eben«, sprach Ta´elga.
Der Weg zur Burg führte mitten durch Minae. Sie kamen an vielen Händlern vorbei, die ihre Waren anboten. Menschen, Elfen, Zwerge und andere Wesen bevölkerten die Straßen. Se´lira kam aus dem Staunen nicht mehr heraus. »Ich habe viel über die Hauptstadt gelesen, aber so habe ich sie mir nicht vorgestellt.«
»Mir erging es nicht anders, als ich zum ersten Mal hier war. Ich war mehr als beeindruckt. Diese Stadt ist etwas Besonderes. Ich verbinde sie mit schönen Erinnerungen«, schwärmte Ta´elga und dachte dabei auch an Sheij´an, mit dem sie eine amouröse Nacht verbracht hatte.
Die ehemalige Sanguenritterin dachte auch an ihren ersten Besuch beim König. Sie war damals nervös und ängstlich gewesen. Sie wusste da noch nicht, wer sie in Wirklichkeit war und woher sie stammte. Der König war freundlich zu ihr gewesen und hatte ihr den Waffenring Minaes übergeben, später hatte er sie sogar zur Generalin ernannt.
Viel war inzwischen geschehen und heute kam Ta´elga mit einer Botschaft. Schon auf der Nebelbrecher hatten die Waldelfen ihre hellbraune Lederkleidung angelegt, die sie als Elfenkrieger auswies. Ta´elga hatte sogar die rote Armbinde mit dem stilisierten, goldenen Wohnbaum angezogen. General Tehryn hätte das erfreut wahrgenommen. Auch das Amulett der Sternengöttin trug sie nun wieder.
Als sie Burg Zephyrus erreicht hatten, wurden sie schnell zum König vorgelassen. Pharus Lyhser hielt sich in seinen privaten Räumlichkeiten auf. Freundlich bat er sie Platz zu nehmen und ließ Speisen und Getränke bringen.
Der König sah Ta´elga an. »Nun, Botschafterin, es ist viel geschehen, seitdem du das erste Mal vor meinen Thron knietest.«
»Ja, Majestät, und ich habe wichtige Nachrichten für dich.«
»Es freut mich, dich wiederzusehen, By´wala.«
»Die Freude ist ganz meinerseits.«
»Wer sind eure Begleiter? Kapitän Benger ist mir bereits bekannt.«
»Das ist Se´lira, die Assistentin des Buchmeisters Mog´il«, Ta´elga zeigte auf ihre Geliebte. »Das sind Dar´al und Burh´an. Dar´al ist ein Soldat, der unter General Tehryn dient. Burh´an ist der Vater meines Patensohnes und ein sehr guter Kartenmaler. Beide haben uns auf unserer Reise begleitet«, stellte sie die beiden Waldelfenmänner vor.
Kapitän Benger erhob sich und salutierte vor dem König. »Majestät, erlaubt mir, meinen Bericht abzugeben.«
Pharus Lyhser sah ihn milde an. »Nicht so förmlich, Kapitän. Ich höre mir euren Bericht später an. Zuerst soll Ta´elga erzählen.«
Die ehemalige Sanguenritterin und Botschafterin der Neun begann mit ihrer Erzählung, ab dem Zeitpunkt, als sie die Burg damals verlassen hatte. Sie erzählte von ihrer Ankunft in Lad’rhor und von ihrem Treffen mit dem Buchmeister. Sie erwähnte ihr Erlebnis mit der Sternengöttin und schilderte ihre Reise nach Edderas. Abschließend erzählte sie die Geschehnisse an der Quelle.
Der König hatte aufmerksam zugehört, ohne Ta´elga auch nur ein einziges Mal zu unterbrechen. Er wirkte sehr nachdenklich. »By´wala, du warst mir immer eine gute Beraterin. Ich bin sehr überrascht, dass du von dem Urvolk stammst. Aber das erklärt auch deine Fähigkeit, künftige Geschehnisse zu sehen. Deine Visionen waren immer sehr hilfreich. Die westlichen Königreiche stehen tief in deiner Schuld. Jetzt bitte ich abermals um deinen Rat. Was soll ich jetzt tun?«
»Majestät, der Frieden ist zum Greifen nah. Die Herrscher des Magistrats sind fort, sie sind keine Gefahr mehr. Die Protektorin von Edderas ist unterwegs zum Palastturm von Muantur. Sie und ihre Begleiter wollen den Frieden. Wahrscheinlich gibt es auch keine Untoten und Dämonen mehr. Sie haben den größten Teil der Armeen des Magistrats ausgemacht. Das ehemalige Reich der Herrscher ist wehrlos.«
»Verzeiht, Majestät. Wäre das jetzt nicht der richtige Zeitpunkt, den Magistrat endgültig zu besiegen?«, unterbrach der Kapitän der Nebelbrecher By´wala.
»So werden es meine Generäle auch sehen. Es wird schwer sein, sie zu überzeugen, nicht in die Schlacht zu ziehen.«
»Majestät, wir können nur einen dauerhaften Frieden erreichen, wenn wir den Steinelfen jetzt die Hand reichen und ihnen helfen. Es gibt keinen Grund mehr, den Krieg weiter zu führen«, sprach die Ganliefrau eindringlich.
»Ich stimme meiner Ordonanzoffizierin zu«, bekräftigte Ta´elga By´walas Aussage.
Pharus Lyhser legte seine Stirn in Falten. Er musste einige Zeit über das Gesagte nachdenken. »Ich sehe das so wie ihr. Es ist genug gekämpft und getötet worden. Wie soll ich jetzt vorgehen?«
»Ich schlage vor, du reist nach Miad´rhor. Ich werde nach Edderas gehen und die Protektorin Eefral dorthin einladen. Se´lira wird den Rat der Neun informieren und ihn ebenfalls nach Miad´rhor einladen. Dort können wir die Bedingungen für den Frieden aushandeln«, äußerte Ta´elga.