Das Blut, das Schwert, die Liebe
Kapitel 1 Die Reise
Ta´elga - Die Reise
»Ohne unsere Vergangenheit zu kennen, können wir unsere Zukunft nicht gestalten.«
(Ta´elga, Sanguenritterin)
»Ohne unsere Vergangenheit zu kennen, können wir unsere Zukunft nicht gestalten.«
(Ta´elga, Sanguenritterin.)
»Das Leben fühlt sich für mich an wie ein Strom, Erinnerungen und Entscheidungen wirbeln wie Blätter im Fluss, mal klar, mal vom Nebel vergangener Tage verschleiert. Ich bin Ta´elga, geboren zwischen zwei Welten, und mein Weg hat mich an einen Punkt geführt, an dem ich alles infrage stelle. Mein Name klingt in den leeren Hallen von Acceras nach, hallt durch die Wälder meiner unbekannten Herkunft und durch die dunklen Ecken meiner Seele. Wer bin ich wirklich? Kriegerin des Magistrats, geschmiedet aus Blut und Tod, oder doch eine Tochter des Waldes, die aus ihrer Heimat gerissen wurde?
An meine Anfänge erinnere ich mich kaum. Meine Erinnerungen setzen erst ein, als ich schon in Acceras lebte ,die graue Festung war mein Zuhause, alles, was ich kannte. Mir wurde erzählt, ich sei aus dem Waldelfenreich entführt und unter den kalten Augen des Magistrats erzogen worden, doch diese Vergangenheit bleibt mir verborgen. Eltern, Freunde, das Licht der Heimat, all das sind nur blasse Ideen für mich. Meine Welt war die Lehre des Magistrats, mein Kompass das Schwert. Jeder Tag war von Kampf, Regeln und Disziplin geprägt, ich lernte, dass mein Wert aus meiner Stärke erwächst.
Meine Ausbildung zur Sanguenritterin hat mich geprägt. Ich lernte zu kämpfen, zu töten, zu überleben. Mein Elementumschwert wurde zu meinem Gefährten, ein Werkzeug des Zorns und Symbol für die Macht des Magistrats. In Acceras galt ich als Heldin, brachte Angst unter die Feinde der Herrscher. Für meine Siege erhielt ich Lob und Belohnung, für meine Loyalität Wohlwollen. Trotz allem nagten Zweifel an mir, war es wirklich richtig, was ich tat? Was, wenn alles nur auf Lügen basierte?
Ein Tag veränderte alles. Ich bekam den Befehl, eine Frau aus dem Volk der Waldelfen zu töten, sie war keine Kriegerin, sondern eine einfache Frau. Zum ersten Mal in meinem Leben zögerte ich. Trotzdem folgte ich dem Befehl, weil es meine Ausbildung so verlangte. Mit meinem Schwert vollstreckte ich das Urteil. Die Frau verzieh mir im Moment ihres Todes und diese Vergebung verfolgt mich bis heute.
Erst in diesem Moment wurde mir klar, dass es Grenzen gibt, die man nicht überschreiten darf. Die Schuld, die ich seitdem trage, lässt mich nicht los. Ich weiß, dass ich diese Last bis an mein Lebensende tragen muss.
Der Krieg zwischen Magistrat und Union tobte schon Jahrtausende. Als die Schlacht um Acceras bevorstand, war ich bereit, alles zu geben. Doch plötzlich, als hätte ein Zauber von mir Besitz ergriffen, erkannte ich, dass mein Weg falsch war. Ich wandte mich ab, verriet die Festung und half der Union, Acceras zu stürzen. Seither bereue ich vieles, doch ich will für Ehre, Wahrheit und Freiheit kämpfen. Ständig frage ich mich, habe ich richtig gehandelt? War mein Verrat gerecht? Habe ich meine alten Gefährten zu Unrecht verraten? Ich kann es nicht beantworten, aber ich bin entschlossen, es herauszufinden.
Auch jetzt, unter der Flagge der Union, ist die graue Festung mein Zuhause. Einen anderen Ort kenne ich nicht. Die Mauern von Acceras sind Zeugen meiner Schuld und Hoffnung. Doch ich spüre, dass ich Antworten suche, bevor ich erneut in den Kampf ziehe. Ich will wissen, wer ich wirklich bin.
Meine Zeit auf dieser Welt ist begrenzt. Ich will meine Wurzeln erkennen, meine wahre Identität begreifen. Wer war ich, bevor mich das Schwert prägte? Was ist Lüge, was Wahrheit? Der Magistrat hat mich geformt, aber ich will mehr wissen. Deshalb mache ich mich auf nach Minae, in die Hauptstadt der westlichen Königreiche. Was mich dort erwartet, ist mir fremd, aber vielleicht finde ich dort Klarheit.
Meine Reise führt nicht nur in die Union, sondern auch tief in mein eigenes Herz. Ich muss mich meiner Vergangenheit stellen, mit meiner Schuld leben und vielleicht Frieden finden. Werde ich am Ende meine Identität annehmen können, als Tochter des Waldes, als Sanguenritterin oder als beides?
Meine Geschichte ist ein innerer Kampf. Die Schuld ist groß, doch ich suche nach Erlösung. Ich will Wahrheit, Vergebung, Akzeptanz, für mich und all jene, die sich verloren fühlen. Die Magie der westlichen Königreiche mag Einfluss auf mich genommen haben, aber ich bin bereit, mein Schicksal zu akzeptieren, notfalls auch im Kampf.
Am Ende weiß ich nicht, ob der Weg der Reue und Wahrheit richtig ist. Ob ich Frieden finde in dieser Welt, die von Krieg und Verrat zerrissen ist? Ich weiß es nicht. Aber mein Wunsch, Antworten zu finden, treibt mich weiter. Meine Geschichte ist noch nicht zu Ende geschrieben.
Ich stehe am Anfang einer Reise, die mich zu meiner eigenen Wahrheit führen soll. Meine Vergangenheit ist ein Splitterfeld, in jedem Bruchstück liegt ein Funken, den ich bergen will. Die Festung Acceras mag gefallen sein, die Wälder mögen schweigen, aber mein Herz brennt, getragen von Mut, Zweifel und der Hoffnung auf Erlösung. Was auch immer in Minae auf mich wartet, ich bin bereit, mich den Schatten und dem Licht meines Lebens zu stellen und vielleicht eines Tages zu sagen, ich weiß, wer ich bin.«
Aaghyl – Die Reise
»Fürchte nicht deine Feinde, fürchte nurdie Verräter.«
(Aaghyl, Lord des Magistrats und Oberbefehlshaber.)
»Ich wandere durch die Schatten meiner Erinnerungen. Die einst stolze graue Festung Acceras, Bollwerk und Heimstatt der Sanguenritter, ist gefallen. Nicht nur Steine und Mauern wurden zerschlagen, sondern auch meine Gewissheiten, meine Träume von Ehre und Ruhm. Über den Gipfeln des Blaugratgebirges ragen nur noch Ruinen, Sinnbilder meines unrühmlichen Endes.
Die unterirdischen Gänge und Hallen, in denen Generationen geübt, geschmiedet, geschworen haben, sind verloren. Mit ihnen schwindet das Vertrauen, das ich in die Unbesiegbarkeit meiner Armeen gesetzt hatte. Alles, was mir kostbar war, Vorräte, Waffen, Leben, Bindungen, ist in einem Moment zerschmettert worden.
Der Sieg war zum Greifen nah. Als hätten die Jahre des Grabens, Bauens, Kämpfens auf diesen einen Schlag hingearbeitet, Acceras, verbunden durch einen geheimen Tunnel mit Stahlhammer, der legendären Waffenschmiede der Union. Doch plötzlich schlug das Schicksal um. Meine Truppen, zahlenmäßig und taktisch überlegen, wurden in die Knie gezwungen. Der Grund ein Rätsel, das mich nicht loslässt. Verrat? Ein unsichtbarer Feind? Die Suche nach Schuldigen bleibt vergeblich.
Mit der Niederlage verliere ich nicht nur meine Stellung als Oberbefehlshaber, sondern auch einen Teil meiner selbst. Der Marsch in die Hauptstadt ist ein schwerer Gang, beschwert von der Last unzähliger gefallener Krieger, Menschen, Elfen, Cwoks. Ihr Opfer bleibt unauslöschlich in meiner Erinnerung, ihr Verlust schmerzt mit jeder Stunde, in der ich weiterlebe.
Bitter brennt der Schmerz über Taelgas Tod. Einst meine Schülerin, wurde sie zur erfahrenen Sanguenritterin, zur Gefährtin, vielleicht zur Verbündeten meiner Seele. Ihre Abwesenheit reißt eine Wunde, die keine Zeit heilt, sondern immer wieder aufbricht. Schuld und Sehnsucht verflechten sich, lassen keinen klaren Gedanken zu.
In dieser Welt, in der Magie und Tod verschlungene Pfade gehen, gibt es die Gefühlsweber, Wesen, die Emotionen nehmen und in ihre Muster verweben. Meine letzte Hoffnung setze ich auf ihre Kunst. Sie sollen die Trauer, die Schuld, die brennende Leere aus meiner Seele tilgen. Vielleicht, so mein Wunsch, bleibt dann ein Rest Würde, ein Hauch von Frieden.
Ruslahr, die Hafenstadt, wartet schon. Bald wird das Schiff ablegen, den Kontinent und all das Vergangene hinter mir lassen. Doch kann das Meer wirklich Sühne bringen? Oder bleibe ich gefangen in den Schatten meiner Schuld? Die Erinnerungen an Acceras und Taelga sind allgegenwärtig, treiben wie Geister mit mir hinaus aufs offene Wasser.
Trotz der Dunkelheit, die mich umgibt, bleibt ein letzter Funken. Vielleicht birgt die Zukunft Erkenntnis, vielleicht wächst aus Schuld und Niederlage neues Verständnis. Die Geschichte von Acceras, von mir, von Taelga, sie ist noch nicht zu Ende geschrieben. Und so segle ich, gebrochen und aufgewühlt, doch nicht ohne Hoffnung, in eine Zeit, die vielleicht eines Tages Vergebung und Wahrheit bringen wird.«