Kapitel 11 Zweifel

Das Blut, das Schwert, die Liebe

Kapitel 11  Zweifel

 

​Ta´elga – Zweifel

»Wir wollen keinen Krieg. Wir müssen uns verteidigen, sonst werden wir alle zu Sklaven des Magistrats.«

​(General Tehryn, Oberbefehlshaber der Unionstruppen)

​Ta´elga war aufgewühlt. Es gelang ihr einfach nicht, einen klaren Gedanken zu fassen. Immer wieder wanderten ihre Gedanken zu Aaghyl, und eine brennende Sehnsucht ergriff sie. Doch dieser unerbittliche Krieg stand wie eine unüberwindbare Mauer zwischen ihnen.

​»Warum kann es keinen Frieden geben, warum wollen die Herrscher uns zerstören?«, fragte sie sich unaufhörlich. Sie fand keine Antwort. Sie wusste nur, dass ihre Liebe unter keinem guten Stern stand. Die Machthaber des Magistrats gierten nach Krieg; sie waren blind für den Frieden und nur an ihrem eigenen Triumph interessiert. Die Waldelfe war sich schmerzlich bewusst, dass ein Sieg des Magistrats nichts als Leid und Versklavung für ihr Volk bedeuten würde.

​»Wir müssen kämpfen. Wir haben doch keine andere Wahl. Aber was wird, wenn wir gewinnen? Wird die Welt dann wirklich besser? Ist es wirklich so einfach, die Welt in Gut und Böse aufzuteilen?«

​Die unerwartete Begegnung mit Aaghyl hatte tiefe Zweifel in ihr gesät. Der Steinelfenmann war für sie der lebende Beweis dafür, dass die Grenzen zwischen Gut und Böse verschwammen.

​Ganz in ihre Grübeleien versunken, achtete Ta´elga kaum auf den Weg. Erst im letzten Moment schreckte sie hoch und bemerkte, dass sie beinahe an der Höhle vorbeigelaufen wäre, in der ihre Gefährten auf sie warteten. Am Eingang hielt sie inne und blickte noch einmal zurück in die Einöde. In ihrem Herzen regte sich die leise, törichte Hoffnung, Aaghyls Silhouette im Schnee zu entdecken – dass er ihr vielleicht doch gefolgt war. Doch der Horizont blieb leer. Enttäuscht wandte sie sich ab und betrat den Unterschlupf.

​»Ta´elga, da bist du endlich«, rief Vy’dega voller Erleichterung aus, da sie die Rückkehrerin als Erste bemerkt hatte.

​Die anderen Waldelfen erhoben sich sofort von ihren Lagern und umringten Ta´elga. Sie blickte in die Runde ihrer Vertrauten: Ihre Paten Vy’dega und Burh’an, ihr junger Patensohn Mig´lan, ihre treue Ordonnanzoffizierin By´wala, der erfahrene Elfenkrieger Dar´al sowie dessen Begleiter No´ral und We´lan. Gemeinsam waren sie zu dieser ersten, riskanten Erkundung im Blausteingebirge aufgebrochen.

​»Wir haben uns Sorgen gemacht. Wir wollten bald aufbrechen, um dich zu suchen«, sprach By´wala aus, was alle dachten.

​Dar´al trat einen Schritt vor und musterte sie besorgt. »Ist alles in Ordnung mit dir?«

​»Ja, es geht mir gut.«

​»Hast du ein Abenteuer erlebt?«, fragte ihr Patensohn Mig´lan mit glänzenden Augen.

​Ta´elga lächelte matt. »Nein, Mig´lan, kein Abenteuer, nur eine Begegnung.«

​»Ach wie schade.« Der Elfenjunge ließ enttäuscht den Kopf hängen.

​Die erwachsenen Waldelfen tauschten neugierige Blicke aus und sahen Ta´elga erwartungsvoll an.

​»Erzählst du uns davon?«, fragte Burh’an drängend.

​»Ja, das werde ich«, versprach sie und spürte, wie anstrengend der Marsch gewesen war. »Nun, gibt es noch etwas zu essen? Ich verhungere.«

​Die acht Waldelfen ließen sich im Kreis um die aufgehäuften Steine nieder. Vy’dega hatte sie bei ihrer Ankunft mit ihrer Magie gesegnet, sodass sie nun ein sanftes Licht und eine mollige, wohlige Wärme ausstrahlten. Während sie von ihrem kargen Proviant aßen, begann Ta´elga zu erzählen. Als ihre Stimme schließlich verstarb, brach Mig´lan als Erster das Schweigen.

​»Das mit der Liebe verstehe ich nicht.«

​Vy’dega strich ihrem Sohn zärtlich über das Haar. »Das wirst du eines Tages verstehen.«

​Mig´lan zuckte trotzig mit den Schultern. »Liebe ist doch langweilig«, beharrte er stur auf seiner kindlichen Logik.

​Nachdem alle gesättigt waren, zogen sich die meisten Waldelfen auf ihre Lager zurück. Nur Ta´elga und By´wala blieben am wärmenden Licht der Steine zurück.

​»Was hast du jetzt vor, Botschafterin?«, fragte die Ordonnanzoffizierin leise.

​Ta´elga starrte versonnen in die Glut. »Ich bin immer noch aufgewühlt von der Begegnung. Ich weiß nicht, wie es weitergehen soll. Ich weiß nicht, wie lange dieser Krieg noch dauern wird. Ich hoffe, dass die Union siegreich ist. Aber was wird dann? Werde ich Aaghyl wiedersehen? Wird er im Kampf fallen oder ich? Werde ich ihn in einer Schlacht töten müssen? Ich weiß es nicht, By´wala, ich weiß es nicht.«

​By´wala blickte ihre Gefährtin voller Mitgefühl an. »Niemand weiß das. Ich glaube aber an unseren Sieg. Die Göttinnen sind mit uns. Ich verstehe dich aber.«

​»Nur eines weiß ich. Ich liebe Aaghyl und er mich.«

​By´wala zögerte einen Moment, bevor sie die unausgesprochene Gefahr beim Namen nannte. »Ich will dir nicht zu nahetreten, aber ist es nicht möglich, dass er es nur vorgespielt hat, damit die Herrscher dich wieder in ihre Fänge bekommen?«

​»Ich bin voller Zweifel. Aaghyl hat mir gesagt, dass er seine Familie liebt und dass seine Freundschaft zu einem Menschenmann ihm wichtig ist. Wie ist das möglich, wenn im Magistrat wirklich nur das Böse herrscht, wenn alle Wesen dort nur böse sind? Ich habe aber keine Zweifel bei Aaghyl. Seine Liebe zu mir ist echt. Das fühle ich.«

​»Die Herrscher des Magistrats sind böse. Sie wollen uns vernichten und alle Wesen, die für sie kämpfen, kämpfen für das Böse. Das muss dir immer bewusst sein«, entgegnete By´wala mit eindringlicher Schärfe.

​Ta´elga hatte das nach ihrer schrecklichen Gefangenschaft und anschließenden Befreiung ebenfalls geglaubt. Im Grunde hielt sie auch jetzt noch daran fest, doch der Steinelfenmann hatte einen Riss in ihrem Weltbild hinterlassen. Er hatte ihr bewiesen, dass Wandel möglich war.

​»By´wala, wir müssen umkehren. Ich muss mit der Sternengöttin sprechen. Ich brauche ihren Rat.«

​Kurz darauf weckte sie ihre Gefährten und teilte ihnen ihren Entschluss mit. Mig´lan fing sofort an zu nörgeln. »War das nun das ganze Abenteuer?«

​»Nein, Mig´lan. Das Abenteuer beginnt jetzt erst. Vielleicht nur anders, wie wir es uns vorgestellt haben.«

​Sie wandte sich an die Erwachsenen und gab klare Befehle: »Wir brechen bald auf. Trefft alle Vorbereitungen.«

​Aaghyl – Zweifel

​»Der Kampf ist das Lebenselixier des Kriegers. Nur wer kämpft dient den Herrschern. Sei unbarmherzig. Sei ein Krieger.«

​(Aus der Lehre der Herrscher)

​Aaghyl kämpfte sich bereits seit einer gefühlten Ewigkeit durch die unwirtliche, eisige Landschaft des Blausteingebirges. Bald würde er die schützende Höhle erreichen, in der seine Begleiter auf ihn wartete. Doch seine Gedanken waren noch immer gefesselt von der Begegnung mit Ta´elga. Es war ihm unendlich schwergefallen, sich von ihr loszureißen. Kaum hatte er die totgeglaubte Elfe wiedergefunden, musste er sie schon wieder in die Kälte entlassen. Aber er hatte ihr seine Liebe gestanden, und sie hatte seine Gefühle erwidert. Dieses ungläubige Glücksgefühl pulsierte noch immer in seinen Adern.

​Gleichzeitig fraßen sich Wehmut und bittere Zweifel in sein Herz. Wehmut, weil ihre Liebe in dieser zerrissenen Welt völlig aussichtslos schien. Und Zweifel, ob er die richtige Entscheidung getroffen hatte. War es richtig gewesen, Taelga einfach gehen zu lassen? Wogen die Pflichten gegenüber den Herrschern und seiner eigenen Familie schwerer als das, was er für sie empfand?

​Als Sanguenritter hatte Aaghyl stets blind an die Herrscher und ihre unerbittlichen Dogmen geglaubt. Doch die Liebe zu der Waldelfe hatte seinen Blickwinkel unwiderruflich verschoben.

​Die westlichen Königreiche verkörperten in den Augen seines Volkes das absolute Böse – egoistische Wesen, die ihren schier endlosen Überfluss nicht teilen wollten. Das Leben im Magistrat hingegen war ein täglicher, unbarmherziger Überlebenskampf. Jede Mahlzeit, jeder kostbare Tropfen Wasser musste der kargen Natur mühsam abgerungen werden. Immer wieder suchten grausame Hungersnöte das Land heim, denen Elfen, Menschen, Cwoks und andere Kreaturen gleichermaßen zum Opfer fielen.

​»Wir müssen diesen Krieg führen, sonst ändert sich unser hartes Leben nie.«

​Doch Taelga hatte ihm gezeigt, dass in der Union nicht nur monströse Feinde existierten. »Vielleicht gibt es in den westlichen Königreichen noch mehr Bewohner wie Taelga.«

​Seine Gefühle für die Elfe und die nagenden Zweifel durften jedoch niemals ans Licht kommen. Im Magistrat kam so etwas Hochverrat gleich und darauf stand der Tod.

​Nach einem letzten, beschwerlichen Aufstieg erreichte er endlich den Höhleneingang. Drinnen warteten Aasaly und Rresyna, die Mütter seiner Tochter Eefral und sein langjähriger Freund und treuer Kampfgefährte Sinan Eldar sowie Eefral selbst.

​Rresyna bemerkte sein Eintreten zuerst. »Endlich hat das Warten ein Ende. Der Erhabene ist zurück«, tönte ihre spöttische Stimme aus einer Wandnische, in der sie sich ihr Lager hergerichtet hatte.

​Aaghyl bedachte sie lediglich mit einem strafenden Blick. Sie liebte es einfach, zu provozieren. Die anderen erhoben sich sofort und traten dicht an ihn heran.

​»Wie war es dort draußen? Hast du etwas gesehen?«, fragte Sinan Eldar mit rauer Stimme.

​»Ja, das habe ich. Lasst uns setzen und etwas essen, dann berichte ich.«

​Sie versammelten sich um die Steine, die Aaghyl vor seinem Abgang mit seiner wärmenden Magie belegt hatte. Nur Rresyna blieb demonstrativ auf ihrem Lager liegen. Aasaly brach das harte, trockene Brot und verteilte die kargen Rationen.

​»Ich habe Taelga dort draußen gesehen«, begann Aaghyl ruhig.

​Sinan fuhr überrascht auf. »Du hast sie gesehen? Wo genau? Warum ist sie nicht bei dir?«

​»Sie stand auf einer entfernten Eisebene. Ich habe meine Schülerin sofort erkannt. Sie ist dann aber schnell auf das Unionsgebiet zurückgekehrt, noch bevor ich irgendetwas unternehmen konnte.«

​»Wir müssen sie sofort verfolgen«, fordernd mischte sich Rresyna ein und setzte sich auf.

​»Ja, lasst uns unverzüglich aufbrechen«, pflichtete der Menschenmann ihm bei.

​Aaghyl schüttelte den Kopf. »Nein, es ist zu spät. Sie hat zu viel Vorsprung. Ich glaube, sie hat mich auch bemerkt und sicher schon die Unionstruppen alarmiert. Es könnte zu einem Kampf kommen, den wir nicht gewinnen werden.«

​Eefral sah ihren Vater mit großen Augen an. »Dann ist sie doch die Verräterin?«

​»Ja vielleicht. Ich weiß es nicht«, log der einstige Oberbefehlshaber, ohne mit der Wimper zu zucken.

​Sinan runzelte die Stirn. »Was hast du nun vor? Du weißt, dass Iiseel dein Versagen sehr gelegen kommt.«

​Iiseel war die neue Oberbefehlshaberin der Armeen. Sie hatte Aaghyl nach seiner schmachvollen Degradierung durch die Herrscher eiskalt ersetzt und wartete nur auf einen Fehler von ihm.

​»Ja, Sinan, das ist mir bewusst. Wir müssen umkehren. Ich muss die Festungskommandantin sprechen. Danach entscheide ich.«

​»Das war es schon? Das war alles? Dafür habe ich all meine Pfeile hier hoch geschleppt? Das ist nicht das, was ich mir vorgestellt habe. Ich wollte die Pfeile in meine Feinde schießen und nicht in dieser Höhle verrotten«, rief Rresyna und warf die Hände in die Luft.

​Aaghyl fixierte sie mit eisernem Blick. »Du wirst mit deinen Pfeilen noch viele Feinde töten können. Es wird zum Kampf kommen, da bin ich ganz sicher. Nur jetzt noch nicht.«

​»Dann ist es entschieden«, murmelte Sinan Eldar. Er musterte seinen alten Freund mit einem tiefen Misstrauen. Er spürte instinktiv, dass Aaghyl ihm etwas Wesentliches verschwieg. Doch er beschloss, vorerst zu schweigen. Die Wahrheit würde früher oder später ans Licht kommen.

​Rresyna legte sich kopfschüttelnd wieder zurück. »Eine Meisterin des Wartens bin ich schon, jetzt werde ich auch noch eine Meisterin der Höhle.«

​Wenig später hatten sich alle Gefährten schlafen gelegt. Aaghyl hielt es in der Enge der Höhle nicht aus. Er trat hinaus in die Winternacht und ließ sich im tiefen Schnee nieder. Seine Wärmemagie legte sich wie ein unsichtbarer Schutzmantel um ihn und hielt die klirrende Kälte fern. Er starrte in die Dunkelheit und hing seinen düsteren Gedanken nach, als er plötzlich ein leises Knirschen hinter sich vernahm.

​»Darf ich dir Gesellschaft leisten oder störe ich dich, Vater?«

​Aaghyl drehte den Kopf und lächelte matt. »Nein, nein, Eefral. Komm, setze dich.«

​Als seine Tochter sich neben ihn in den Schnee sinken ließ, weitete Aaghyl den Radius seiner Wärmemagie aus, um auch sie vor dem Frost zu schützen.

​»Weißt du noch, was ich dir damals im Sandbeißerbau gesagt habe?«

​Eefral nickte stumm.

​»Ich sagte dir, dass ich lernen muss, dir und meiner Familie zu vertrauen.«

​Wieder gab seine Tochter ihm durch ein Nicken zu verstehen, dass sie sich genau erinnerte.

​Aaghyl senkte die Stimme. »Ich habe dort drin nicht die Wahrheit gesagt.« Er deutete mit einer vagen Kopfbewegung zurück zum Höhleneingang. Im Flüsterton fuhr er fort: »Was ich dir jetzt sage, ist mein Geheimnis. Ich werde es dir und der Festungskommandantin erzählen.«

​»Warum dürfen die anderen nichts davon wissen?«

​»Es geht nicht um deine Mütter. Es geht eher um Sinan Eldar. Er würde es nicht verstehen.«

​Eefral blickte ihn forschend an. »Traust du ihm nicht?«

​»Doch. Er hat mir in jedem Kampf beigestanden. Er würde sein Leben für mich geben und ich meins für ihn. Doch er ist auch den Herrschern treu ergeben und sein Glaube an ihre Lehre ist unerschütterlich. Genau das ist aber das Problem.«

​»Was ist dort draußen geschehen?«, fragte Eefral flüsternd, unfähig, ihre wachsende Neugier im Zaum zu halten.

​Der Steinelfenmann blickte sich kurz wachsam um, um sicherzugehen, dass kein unerwünschter Zuhörer in der Nähe war. Dann sprach er leise weiter.

​»Ich habe Taelga nicht nur gesehen. Ich habe mit ihr gesprochen.« Ohne ein Detail auszulassen, vertraute er Eefral die gesamte Begegnung mit seiner ehemaligen Schülerin an.

​Eefral war fassungslos. Niemals hätte sie eine solche Geschichte für möglich gehalten. Dass ein Krieger des Magistrats und eine Kämpferin der Union echte Gefühle füreinander hegten, hätte sie bis vor Kurzem noch als feindliche Propaganda abgetan.

​»Ich kann unmöglich wissen, wie du dich fühlst. Was wird nun mit dir? Was wird nun aus uns? Wie geht es weiter?« Nachdenklich und mit tiefer Sorge sah sie ihren Vater an.

​»Ich weiß es noch nicht. Deshalb muss ich mit Litara sprechen. Sie weiß von dem Auftrag, den mir die Herrscher gaben, den Verräter zu töten. Sie weiß aber nicht, dass Taelga die Verräterin ist. Sie hat mich gebeten, sie zu suchen und zurückzubringen.«

​Eefrals Züge verhärteten sich plötzlich. »Wie denkst du über den schändlichen Verrat, den Taelga begangen hat? Durch ihre Schuld müssen wir immer noch darben. Der Krieg geht nun weiter. Es wird wieder viele Tote geben. Das hast du selbst gesagt.« Ihre Stimme zitterte vor mühsam unterdrückter Erregung.

​»Glaubst du, das weiß ich nicht?« Aaghyl hob resigniert die Hände. »Es ist kompliziert. Mein Leben hat sich grundlegend verändert. Ich glaube immer noch an die Lehre und an die Herrscher, aber Ta´elga hat alles verändert.« Er holte tief Atem. »Aber ich glaube auch an dich, Eefral. Ich glaube, dass du mich verstehst. Du selbst hast in Lagtur gesagt, dass du und deine Mütter die Veränderungen im Magistrat auch verspüren.«

​»Ja, das ist wahr«, gab sie leise zu.

​»Die Kapitänin meines Flaggschiffes sagte mir, dass sie glaubt, dass auch die Herrscher davon wüssten. Mein Schicksal, Ta´elga zu lieben, ist von ihnen für mich bestimmt worden, glaubt sie. Daran will ich auch fest glauben, Eefral.«

​Eefral schwieg eine Weile, während der Wind um die Felsen heulte. »Dann will ich das auch.« Sie blickte ihn ernst an. »Meinst du, dass Sinan das nicht versteht?«

​»Das weiß ich nicht. Irgendwann vielleicht. Dennoch möchte ich ihm nichts davon erzählen. Noch nicht.«

​Sie dachte über seine Worte nach, nickte dann entschlossen. »Also gut. Ich werde dein Geheimnis hüten, denn ich vertraue dir.«

​»Danke, Eefral«, sagte er, und eine zentnerschwere Last fiel von seinen Schultern. Der Steinelfenmann erhob sich aus dem Schnee und reichte seiner Tochter die Hand.

​»Lass uns noch ein wenig ruhen bevor wir aufbrechen.«

​Eefral ergriff seine Hand, ließ sich aufhelfen und gemeinsam kehrten sie in die schützende  Höhle zurück.

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