Das Blut, das Schwert, die Liebe
Kapitel 7 Heimat
Ta´elga - Der Auftrag
„Es gibt für eine Mutter nichts Schlimmeres als ihr Kind zu verlieren. Und es gibt keine größere Freude, wenn es zu ihr zurückkehrt.“
(Ahlunah, Sternengöttin.)
Die Brücke schien aus einem einzigen Stück Marmor gehauen. Ta´elga sah weder Ansätze noch Fugen. In einem leichten Bogen überspannte sie den See. Es war ein warmer Sommernachmittag. Sie ging bewusst langsam. Zum einen wollte sie den kleinen Spaziergang genießen, zum anderen tat sie es aus Nervosität. Sie wusste nicht, was sie erwartete.
Hatte Mog’il ihr wirklich alles erzählt?
Allmählich näherte sie sich dem Tempel der Sternengöttin. Schon aus der Ferne war er ein beeindruckendes Gebäude gewesen. Jetzt, da sie ihm näherkam, sprengte er jede Vorstellung. Ahlunahs Sitz war gewaltig, ja beinahe furchteinflößend. Hatte die Elfe sich bereits im Dom von Minaes klein und nichtig gefühlt, so galt das hier erst recht.
Ta´elga stand vor dem Eingang, besser gesagt vor dem riesigen Portal. Obwohl dieser Zugang durch kein Tor verschlossen war, konnte sie nicht ins Innere sehen. Sie nahm nur ein grünes, schwach leuchtendes Licht wahr, das den Blick in den Tempel verhinderte.
Eine Weile stand die Ritterin noch vor dem Tempel. Dann gab sie sich einen Ruck und trat ein. Auch im Inneren war der Tempel von grünem Licht durchflutet. Sie drehte sich noch einmal kurz um: Der Blick nach draußen war frei. Das Innere des Tempels war bis auf einen riesigen Sternenbrunnen leer.
In den Tempeln der Schriften und der Reisenden gab es an den Wänden zahlreiche Rampen und Emporen. Hier war nichts dergleichen zu sehen. Nur das grüne Licht schien aus den Wänden und aus dem gewaltigen Kuppeldach selbst zu kommen.
Der Brunnen reichte bis fast an die Wände des Tempels. Er wurde von einer zweistufigen Treppe umrundet. Auf der obersten Stufe, rund um den Brunnen herum, standen einige Elfen. In der Mitte des Brunnens, auf einem Podest, stand die größte Statue, die Ta´elga jemals gesehen hatte. Sie war aus demselben weißen Marmor gefertigt wie der Tempel Ahlunahs. Das Abbild der Sternengöttin reichte bis zur Tempelkuppel. Die Statue hatte ihren Blick in die Ferne gerichtet, ihren rechten Arm ausgestreckt, die rechte Handfläche zeigte nach oben, ihr linker Arm lag an ihrer Seite an.
Ta´elga erreichte die oberste Stufe des Brunnens. In ihm war das typische dunkelblaue, mit weißen Lichtpunkten durchsetzte Wabern zu sehen, welches man in jedem Sternenbrunnen sehen konnte. Hier war es nur besonders groß. Es war, als blickte man in einen Nachthimmel voller Sterne, der immer in Bewegung war.
Im ganzen Elfenreich gab es diese Sternenbrunnen, mal größer, mal kleiner, aber stets dort, wo Elfen sich niedergelassen hatten. Mithilfe dieser Brunnen waren die Elfen in der Lage, mit Ahlunah zu sprechen. Die Waldelfenfrau kniete sich hin und sah in den Sternenbrunnen hinein.
Sie saß schon einige Zeit so, als sie eine leise Stimme wahrnahm. Ta´elga sah sich um, doch niemand befand sich in ihrer Nähe. Der nächsteElf stand weit von ihr entfernt. Wieder hörte sie diese Stimme. Sie sprach sehr leise und sanft zu ihr:
»Sei gegrüßt, Ta´elga, meine Tochter.«
Sie begriff, dass Ahlunah mit ihr sprach. Ehrfurcht ergriff sie. Die Sternengöttin selbst sprach zu ihr.
»Du hast bestimmt viele Fragen an mich«, sagte diese Stimme weiter.
»Verzeih, wenn ich neugierig bin«, sagte Ta´elga schüchtern.
»Ist schon gut. Ich verstehe das. Wir sollten es uns gemütlich machen.«
Die Elfe dachte noch verwundert darüber nach, wie die Göttin das meinte, als sie plötzlich auf einer Lichtung saß. Um sie herum standen hohe Bäume. Die Sonne tauchte die Lichtung in mildes Licht. Ta´elga saß auf einem Baumstumpf, der wie ein Sessel geformt war. Es war angenehm warm, und es roch nach frischem Moos und Holz. Ihr gegenüber saß auf einem gleichartigen Baumstumpf eine Elfenfrau, deren Alter sie unmöglich schätzen konnte. Sie wirkte jung und strahlte doch eine Weisheit aus, die man nur in einem sehr langen Leben erreichen konnte. Sie lächelte Ta´elga freundlich an. Ihre Augen zeugten von Güte. Sie war in eine einfache weiße Robe gekleidet. Ihr Haar war weiß wie ihr eigenes und wurde von einem hellgrünen Band zusammengehalten. Die Frau hatte eine zartgrüne Haut, die wunderbar mit der weißen Robe kontrastierte.
Zwischen den beiden stand ein Tisch, der ebenfalls aus einem Baumstumpf geformt war. Auf dem Tisch erkannte Ta´elga ihr Lieblingsgetränk. Sie war noch immer ein wenig verwirrt von dem plötzlichen Ortswechsel.
»Willkommen. Diese Lichtung entspricht am ehesten deiner Vorstellung meines Lieblingsortes. Ich habe auch Fahrnapfelsaft für dich besorgt. Bediene dich bitte.«
Sie goss sich ein und füllte auch das zweite Glas, das bereitstand. Ahlunah nahm das Glas und machte es sich auf dem Holzsitz bequem. Ta´elga tat es ihr nach. Sie sah sich um.
»Wieso entspricht dieser Ort meiner Vorstellung?«
»Ich habe hier, in der Gleichzeitigkeit, auch so meine Lieblingsorte. Würde ich an deiner Stelle sein, würde er so aussehen. Hier entspanne ich mich ab und zu.«
»Warum sind wir hier?«
»Damit wir uns ungestört unterhalten können. Mog´il hat dir ja schon einiges erzählt.«
»Ja, er sagte mir auch, dass der Magistrat im Norden eine Armee aufziehen lässt.«
»Es gibt deutliche Anzeichen dafür, dass es bald eine Schlacht geben wird. Meine Spione aus dem Reich des Magistrats berichteten von den Vorbereitungen.«
»Ich möchte auch in den Norden. Ich möchte für die Union in den Kampf ziehen«, sagte die Ritterin voller Inbrunst.
»Ja, Ta´elga, das wirst du. Aber zuerst möchte ich deine Fragen beantworten.«
»Mog´il erzählte mir, dass ich das Genom der Göttinnen in mir trage. Ich verstehe es nicht ganz. Haben meine drei Eltern dieses Genom auch?«
»Ja und nein. Es ist kompliziert. Es ist so, dass keine Elfenfrau und kein Elfenmann das Genom der Göttinnen besitzen. Im besten Fall besitzt ein Elf nur die Voraussetzung des Göttinnengenoms. Nur in der Dreieinigkeit und auch nur, wenn alle drei Elfen einen Teil eines bestimmten Genoms besitzen, entsteht die Magie der Göttinnen. Aber auch nur, wenn das dabei entstehende Kind ein Mädchen wird und nur dann, wenn im neuen Leben die Fähigkeit zur starken und vielfältigen Magie entsteht.«
»Du hast recht, Ahlunah, es hört sich sehr kompliziert an.«
»Es hat lange gedauert, bis wir mit Hilfe der Wissenschaftler erkannten, was da vor sich geht. Anfangs glaubten wir, dass es nur mit Magie zu tun hat. Erst später wussten wir, was genau geschieht. Nur in einem ungeborenen Mädchen mit den entsprechenden Eigenschaften entsteht das Genom. Ein infrage kommendes Mädchen wird nur selten gezeugt. Einen Jungen mit den erforderlichen Eigenschaften gab es noch nie.«
»Welche Eigenschaften sind das?«
»Die Elfen sind zwar in der Lage jedwede Art von Magie zu erlernen, aber nur wenige können mehr als drei oder vier Zauber gleichzeitig und gleichstark beherrschen. Als Nachfolgerin einer Göttin kommt nur in Betracht, wer die Veranlagung zu möglichst vielen Zaubern besitzt. Nicht nur viele Zauber zu beherrschen ist wichtig, sondern auch die Fähigkeit sie mächtig werden zu lassen. Aber erst die Kombination von diesen vorhandenen Eigenschaften und dem Genom der Göttinnen erzeugt die einzigartige Magie der jeweiligen Göttin.«
»Wie war es möglich, dass ich vom Magistrat entführt werden konnte, wenn ich doch eines Tages Göttin werden soll?«
»Das ist wirklich ein dunkles Kapitel. Es konnte geschehen, weil wir Göttinnen versagt haben. Der Magistrat hat irgendwie von unserem Aufstieg erfahren. Immer wieder kommt es zu Entführungen von Waldelfen, in der Hoffnung, mehr darüber zu erfahren. Dass wir dieses Geheimnis nur wenigen Elfen bekannt gemacht haben, hat sich bewährt. Bisher weiß der Magistrat auch nichts vom Genom der Göttinnen. Normalerweise geben wir auf unsere Nachfolgerinnen besonders gut Acht. Es war ein ausgesprochener Glücksfall für den Magistrat, dich zu entführen, als wir Göttinnen durch ein Ablenkungsmanöver unachtsam waren. Mit Hilfe mächtiger Zauberer konnte der Magistrat, kurz nach deiner Reifezeremonie, deiner habhaft werden. Ich konnte noch im allerletzten Augenblick dein Gedächtnis auslöschen. Wäre mir das nicht gelungen, hätte der Magistrat alles über dich, über den Aufstieg und vielleicht auch über uns erfahren können.«
»Das wusste ich nicht. Bis heute halte ich mich eher für eine Steinelfe als für eine Waldelfe.« Ta´elga konnte spüren, dass Zorn in ihr aufstieg. »Die Sternengöttin hat mich manipuliert.«
»Warum hast du das getan?«, rief die Sanguenritterin zornig. »Die Herrscher haben recht, die westlichen Königreiche verkörpern das Böse«, fügte sie hinzu.
»Nein, so ist es nicht. Die Herrscher saugen das gesamte Wissen aus den Entführten heraus. Die armen Geschöpfe wissen dann nichts mehr von ihrem vorherigen Leben. Nur so lässt sich das Gehirn neu konditionieren. Bei dir war aber schon alles weg, dafür hatte ich gesorgt.«
»Vielleicht fiel es dem Magistrat dadurch viel leichter, mich zu einem willigen Werkzeug zu machen«, sagte Ta´elga immer noch wütend.
»Das ist möglich, aber die Bewahrung unserer Geheimnisse war in diesem Moment wichtiger. Verzeih mir, Ta´elga«, sagte die Göttin bekümmert.
„Dann kannte ich diese Geheimnisse schon vor meiner Entführung?“
»Natürlich. Wir bereiten unsere Nachfolgerinnen schon sehr früh auf ihre spätere Aufgabe vor. Mein Fehler war, dass ich nicht auf dich aufgepasst habe. Ich hatte es nicht für möglich gehalten, dass es dem Magistrat gelingen könnte dich in seine Fänge zu bekommen.«
»Wenn du doch, wie du selbst sagst, in der Gleichzeitigkeitlebst, wieso verhinderst du die Entführungen von Elfen nicht?«
»Der Magistrat versteht es, die Regionen, die er angreift, mit starker Magie vor uns zu verbergen. Wir Göttinnen bemerken zwar, dass dort etwas geschieht, können aber nicht sehen was passiert. Es dauert immer eine ganze Weile, bis wir diesen Zauber durchbrechen können.«
»Ich habe für den Magistrat schreckliche Dinge getan, die ich mir nie verzeihen kann«, sagte die Ritterin. Ihr Zorn verrauchte.
»Das stimmt, Ta´elga. Ich kann diese Taten leider nicht ungeschehen machen. Es hat lange gedauert, bis ich dich wiederfand. Ich war so froh darüber, dass du noch lebtest. Ganz vorsichtig und langsam habe ich meine Macht eingesetzt, um deine Befreiung voranzutreiben. Der Magistrat durfte nichts bemerken, denn dann hätte er dich getötet.«
»Ich habe zum ersten Mal gespürt, dass ich etwas Falsches mache, als ich eine Frau aus unserem Volk hingerichtet habe. Es war ein fürchterliches Erlebnis.«
»Da hatte ich dich schon gefunden. Ich konnte sie retten und nahm ihren Platz ein. Ich sah hier eine Gelegenheit dich zu beeinflussen, was mir auch gelungen ist. Ich hatte Zweifel in dir gesät. Ab diesem Zeitpunkt fiel es mir immer leichter, die Magie des Bösen zurückzudrängen. Endgültig gelang es mir in der Schlacht um Acceras, wie du weißt.«
Ta´elga war erleichtert darüber, dass sie diese Frau nicht hingerichtet hatte. Im Kampf zu töten, die Feinde zu dezimieren, hatte ihr nie etwas ausgemacht. Bis heute hatte sie geglaubt, eine unschuldige Waldelfe umgebracht zu haben. Diese Last war ihr jetzt genommen.
»Ich hatte es geahnt, dass eine fremde Magie dahinterstecken könnte.«
»Nun, Ta´elga, ich kann das Unrecht, das dir widerfahren ist, nie wieder gut machen. Ich bin mir meiner Schuld bewusst. Ich kann dich nur um Verzeihung bitten.«
»Das habe ich längst, Ahlunah. Ich bin so froh, dass meine Zweifel sich nun in Rauch auflösen. Ich bin mir nun sicher, dass ich eine Waldelfe bin. Mit meinen Taten werde ich allerdings für immer leben müssen, ganz gleich, auf welcher Ebene ich gerade existiere.«
„Es ist schön, dass du es so siehst, Ta´elga.«
Die junge Elfe war neugierig darauf, zu erfahren, wessen Nachfolge sie antreten wird.
»Welche Göttin werde ich eines Tages werden?«
»Ich werde nicht lange Drumherum reden. Du bist meine Nachfolgerin«, eröffnete die Göttin Ta´elga.
Das verschlug ihr nun wirklich den Atem. Sie sollte die künftige Sternengöttin sein? Ta´elga hatte mit allem gerechnet, nur damit nicht. An die Kriegsgöttin hatte sie gedacht oder vielleicht an die Göttin der Reisenden, aber ausgerechnet Sternengöttin? Die mächtigste unter ihnen, die Anführerin des Elfenvolkes?
»Warum gerade ich?«, fragte sie mit zitternder Stimme.
»Das vorhandene Erbgut in dir gibt die Art der erlernbaren Zauber vor. Bei dir ist es die Magie des Lebens. Damit ist deine Bestimmung klar, du wirst die nächste Sternengöttin sein und die mächtigste, die es bisher gab, noch dazu«.
»Ich kann kaum glauben, was du mir erzählst. Verzeih mir meine Zweifel, Ahlunah.«
»Ich kann dich verstehen. Es ist vielleicht auch ein wenig zu viel auf einmal. Ich habe schon sehr früh bemerkt, dass deine Begabung einzigartig ist. Noch nie zuvor gab es eine Elfe, die in der Lage war, unbegrenzt viele Zauber zu erlernen. Ebenso einzigartig ist es, dass du diese Zauber so machtvoll einsetzen kannst. Der Magistrat hat deine Fähigkeit pervertiert. Er ließ dich nur Todeszauber lernen, aber auch diese hängen mit dem Leben zusammen. Der Magistrat hat glücklicherweise nicht erkannt, welche Talente tatsächlich in dir schlummern. Mit dir und deiner Fähigkeit zur unbegrenzten Magie wäre er unbesiegbar geworden.«
»Wusste ich früher schon, dass ich deine Nachfolgerin werde?«
»Nein, du wusstest nur, dass du eines Tages eine Göttin sein wirst. Nur wir Göttinnen wissen, welche Nachfolge angetreten wird.«
»Warum erzählst du mir dann jetzt davon, dass ich die Sternengöttin sein werde?«
»Ich glaube, das bin ich dir einfach schuldig. Du hast so viel durchmachen müssen, da hast du die ganze Wahrheit verdient.«
»Ich werde aber deinen Platz einnehmen.«
»Ach Ta´elga. Ich lebe jetzt schon so lange in der Gleichzeitigkeit. Ich freue mich auf meinen Aufstieg.«
»Ich glaube, ich muss mich von dem, was du mir erzählt hast, erst einmal erholen. Ich weiß im Moment gar nicht, was ich denken soll.«
Die Ritterin machte eine kurze Pause, dann fragte sie die Sternengöttin:
»Gibt es bei den Steinelfen den Aufstieg auch?«
Ta´elga sah Ahlunah an. Sie hatte den Eindruck, dass die Göttin nach einer Antwort suchte.
»Ehrlich gesagt, wir Göttinnen wissen es nicht. Wir haben keine Möglichkeit es herauszufinden. Auch wir haben unsere Grenzen.«
»Ich verstehe.«
»Nun Ta´elga, wenn du so weit bist, habe ich noch etwas für dich.«
Die Waldelfenfrau wurde neugierig. »Was wird die Sternengöttin mir geben?«
Ahlunah fuhr fort.
»Als ich damals dein Wissen nahm, ist es nicht verloren gegangen. Ich habe es in mir aufgenommen und bewahrt. Jetzt möchte ich es dir zurückgeben.«
»Wieso denn erst jetzt? War es nicht früher möglich mir mein Gedächtnis zurückzugeben? Steckte dahinter ein tieferer Sinn?«
Sie verspürte aufkommenden Ärger in sich. Ahlunah sah ihr die Verärgerung an.
»Sei nicht verärgert Ta´elga. Ich musste erst sicher sein, ob du wirklich frei bist. Ich konnte und durfte es nicht riskieren, dass dein Wissen in die Hände des Magistrats fällt. Ich musste noch einige Prüfungen vornehmen, bevor ich sicher sein konnte.«
»Das verstehe ich, aber es quält mich schon, nicht zu wissen, wer ich früher war. Wie hast du mich geprüft?«
»Ich habe dich schon in Silberhain geprüft. Du hast doch sicher noch die Bindungsperle?«
Die Ritterin nickte bejahend.
»Wärst du noch unter Kontrolle des Magistrats gewesen, hätte keine Perle sich mit dir verbunden. Später habe ich dich auch in Minae geprüft. Ich war in Gestalt von Nancy Revion und dem alten Mann dort. Ich habe dich genau beobachtet. Ich habe auch den König über deine Ankunft informiert. Auch er hat dich geprüft. Es wurde immer klarer, dass du dem Einfluss des Bösen tatsächlich entkommen bist. Dann habe ich gesehen, wie du dich in dem Waisenhaus verhalten hast. Da war ich mir endgültig sicher, dass du wieder Ta´elga, die Waldelfe bist.«
Ta´elga hatte damals in Minae den Eindruck, dass Nancy und der alte Mann sie kannten. Selbst der König wusste ihren Namen. Jetzt hatte sie die Erklärung dafür.
»Hast du mir die Glaskugel verkauft?«
»Nein, die Bindungsperle ist echt. Ich habe nur beobachtet.«
»Ich verspüre immer noch ein wenig Verärgerung, aber ich kann dein Verhalten verstehen. Du musstest dir einfach sicher sein, dass ich wieder die alte Ta´elga bin. Zuviel steht auf dem Spiel.«
»Richtig. Wenn du bereit bist, möchte ich nun beginnen, Ta´elga.«
Sie signalisierte der Sternengöttin ihr Einverständnis.
Ta´elga konnte es kaum noch erwarten, endlich wieder über ihr gesamtes Wissen zu verfügen. Sie erwartete seitens Ahlunah, dass sie irgendeine Zeremonie durchführen müsste oder ihr einen Zaubertrank reichen würde. Nichts dergleichen geschah.
Ahlunah sah die Elfe nur an, und plötzlich spürte sie einen stechenden Schmerz in ihrem Kopf, der ihr die Tränen in die Augen trieb. Sie krümmte sich auf ihrem Sitz. Als der Schmerz nach kurzer Zeit nachließ, wusste sie plötzlich wieder alles. Es war, als wäre sie durch eine Tür in einem Raum getreten, der bisher verschlossen gewesen war. Sie schaute sich um und konnte all die vertrauten Dinge wiedererkennen, die den Raum füllten. Ihr ganzes vergangenes Leben lag wieder vor ihr. Sie wusste, wo sie geboren und aufgewachsen war. Sie konnte die Gesichter ihrer Familie und ihrer Freunde deutlich vor sich sehen.
»Was ist aus ihnen geworden?«
Sie war euphorisch und traurig zugleich. Sie freute sich, dass sie jetzt alles wieder wusste, gleichzeitig machte ihr die Ungewissheit über das Schicksal der Elfen, die ihr nahestanden, traurig.
»Weißt du etwas über meine Familie und Freunde, Ahlunah?«, fragte sie die Sternengöttin unsicher.
»Natürlich, mach dir keine Sorgen, fast alle sind wohlbehalten und du wirst sie bald wiedersehen. Ich konnte zwar dich nicht beschützen, sie aber sehr wohl.«
»Wieso denn fast alle?«, fragte Ta´elga besorgt.
»Seit deiner Entführung ist auch deine Patenmutter verschwunden. Ich habe überall nach ihr gesucht. Sie ist nicht tot, das weiß ich. Ich kann aber ihren Aufenthaltsort nicht bestimmen. Sie hält sich irgendwo im Magistrat auf, ist aber keine Gefangene. Mehr kann ich dir auch nicht sagen.«
Die Ritterin war natürlich erleichtert darüber, dass es ihrer Familie und ihren Freunden gut ging. Gleichzeitig bestürzte sie die Nachricht vom Verschwinden Lit´aras. In all den Jahren im Magistrat hatte sie weder ihre Patenmutter gesehen noch jemals von ihr gehört.
Sie würde ihre Patenmutter finden, schwor sie sich. Sie hätte sich schwere Vorwürfe gemacht, wenn die anderen, ihr nahestehenden Elfen durch den Magistrat oder gar durch ihre eigene Hand zu Schaden gekommen wären.
»Hätte ich mit dieser Schuld noch weiterleben können?«
»Ich möchte nach Ora´rhor reisen. Ich möchte unbedingt meine Familie besuchen, und ich möchte Lit´ara suchen.«
»Ja, das glaube ich dir. Reise nach Norden, in die Stadt Miad´rhor. Von dort werden unsere Vorbereitungen für die Schlacht koordiniert. Ich möchte, dass du als meine Botschafterin dabei bist. Du wirst eine Anführerin meiner Streitmacht sein. Auf dem Weg dorthin kannst du gerne Station in deiner Heimat machen. Ich hoffe, dass du deine Patenmutter finden wirst. Ich werde dich unterstützen, wo ich nur kann, aber vergiss nicht, dass es im kommenden Kampf um das Schicksal der Union gehen wird.«
Ta´elga fühlte sich geehrt über Ahlunahs Auftrag. Sehr gerne würde sie für die Sternengöttin in den Kampf ziehen. Dass ihr Ahlunah vorher noch gestattete ihre Familie und ihre Freunde zu treffen, freute sie sehr.
»Auch, wenn ich in der Schlacht sterben sollte, kann ich mich vorher noch von meinen Liebsten verabschieden können.«
»Ich werde bis zum Ende kämpfen, das weißt du. Ich bin bereit zu gehen.«
»Ich werde deine Kampfrüstung mit meinem Zeichen versehen. Außerdem möchte ich, dass du von nun an dieses Amulett trägst. Mein Zeichen auf deiner Rüstung und dieses Amulett weisen dich als meine Priesterin und als Botschafterin des Rates der Neun aus. Du bist jetzt meine erste Hohepriesterin und die Stimme des Rates der Waldelfen. Jede Anweisung, die du gibst, wird so ausgeführt, als käme sie von mir und vom Rat. Damit bist du ab sofort die mächtigste Elfe nach uns Göttinnen. Nutze diese Macht weise, Ta´elga.«
Die Ritterin nahm ehrfurchtsvoll das Amulett von Ahlunah entgegen. Es war aus Gold und hing an einer goldenen Kette. Das Amulett trug auf seiner Vorder- und Rückseite einen stilisierten Sternenbrunnen. Ta´elga schaute sich die Prägung genauer an. Sie hatte das Gefühl direkt in einen Sternenbrunnen hineinzusehen. Gleichzeitig hörte sie Ahlunahs Stimme sagen:
»Folgt Ta´elga, meiner Tochter. Sie trägt mein Zeichen und spricht in meinem Namen.«
Jede Waldelfe und jeder Waldelf würde dieser Stimme folgen. Da alle Waldelfen regelmäßig einen Sternenbrunnen aufsuchten, kannte jeder die Stimme der Sternengöttin. Kein Waldelf würde die Autorität Ta´elgas anzweifeln.
»Besteht nicht die Gefahr, dass ich abermals in die Hände des Magistrats falle und mein Wissen preisgeben muss?«
Sie blickte die Sternengöttin voller Sorge an.
»Nein. Das ist jetzt nicht mehr möglich, denn jetzt bist du so mächtig, dass der Magistrat dir nichts mehr anhaben kann.«
Ta´elga stand auf und verbeugte sich vor Ahlunah.
»Ich werde mit deiner Macht weise umgehen.«
Als die Waldelfe sich wieder aufrichtete, stand sie erneut am Rand des großen Sternenbrunnens in Ahlunahs Tempel. Die Göttin war verschwunden. Sie hängte sich das Amulett um. Die Elfe hörte Ahlunah sagen:
»Nutze die Baiulobor hier im Tempel. Du erreichst dann unmittelbar die Reisepflanze, die in Ora´rhor steht«, verabschiedete sich die Göttin.
Ta´elga fand die Pflanze, nachdem sie den Brunnen halb umrundet hatte. Eine Priesterin erwartete sie schon.
»Sei gegrüßt, Hohepriesterin Ta´elga, tritt hinein. Du wirst direkt nach Ora´rhor gebracht. Ahlunah erleuchte deinen Weg.«
»Ich danke dir, Priesterin. Ahlunah bringe dir das Licht.«
Dann trat Ta´elga in das blaue Licht der Baiulobor.
Ta´elga – Zu Hause
„In Fronsvalis´arbor bin ich weder eine Sanguenritterin noch bin ich die Hohepriesterin der Sternengöttin. Dort bin ich einfach nur Ta’elga. Dachte ich. Ich habe mich geirrt.“
(Ta´elga, Waldelfenfrau.)
Eine Reise durch eine Baiulobor geschah ohne Zeitverlust und ohne bewusste Wahrnehmung. In Ora´rhor trat Ta´elga aus der Pflanze heraus. Der kleine Ort lag nicht unweit der Meeresküste an einem kleinen Fluss. Hier begann das Blätterdachtal, welches sich keilförmig in Richtung Osten erstreckte und immer schmaler wurde. Das Tal wurde an den Seiten von mittelhohen Bergen begrenzt. Hier wuchsen unzählige, mächtige Bäume. Nur selten war durch die Baumkronen dieser Bäume der freie Himmel zu sehen. Wie ein Dach wurde das Tal von dem dichten Geäst überspannt, was ihm seinen Namen gab.
Von der Baiulobor führte eine schmale Straße in die kleine Siedlung, vorbei an einigen Elfenhäusern. Die Straße war menschenleer. Ta´elga konnte sehen, dass sich die Bewohner im Versammlungshaus aufhielten. Eigentlich war sie froh, dass sie keinem anderen Wesen begegnete. Die Rolle der Hohen Priesterin der Sternengöttin war noch zu neu für die Elfe.
»Daran muss ich mich erst mal gewöhnen.«
Ta´elga sah einige große Katapulte, die alle in Richtung Westen zeigten. Dort lag das Meer, von dem immer wieder Angriffe von den Soldaten des Magistrats gegen das Blätterdachtal geführt wurden. Sie kannte Ora´rhor von früher. Sehr oft war sie aber hier nie gewesen. Den Hafen von Ora´rhor, der in einiger Entfernung gelegen hatte, gab es nicht mehr. Er wurde schon vor langer Zeit zerstört.
Das Ende des Tals, an dem ihr Heimatwohnbaum stand, war etwa einen halben Tagesmarsch entfernt. Sie wollte diese Strecke nicht zu Fuß gehen. Ein geeignetes Reit- oder Flugtier konnte die Waldelfe hier nicht entdecken und danach fragen wollte sie nicht.
Zum ersten Mal, seit langer Zeit, musste die ehemalige Sanguenritterin wieder ihren Reitzauber anwenden, der noch aus ihrem Leben im Magistrat stammte. Mit dieser Magie beschwor Ta´elga einen Dämon, der wie ein Pferd aussah. Dieser Dämon hatte keine Intelligenz, keinen Willen. Er gehorchte allein den Gedanken des Reiters.
Sie verließ den Ort zu Fuß, bis sie außer Sichtweite war. Die Elfe wollte nicht, dass jemand zusah, während sie die Reitmagie wirkte. Sie konzentrierte sich auf den Zauber. Aus einer Lichterscheinung erschien ihr Reitdämon. Er glich einem kräftigen Hengst in der Farbe ihrer Kampfrüstung mit silbernen Socken. Wäre der Dämon ein echtes Pferd gewesen, wäre er ein wunderschönes Tier gewesen. Sattel und Zaumzeug schienen aus dunkelviolettem, hochglänzendem Leder zu bestehen, waren aber wie der Dämon selbst aus magischer Materie.
Ta´elga saß auf und ritt los. Mit mittlerer Geschwindigkeit folgte sie der Straße nach Osten, den Windungen des Flusses entlang. Fluss und Straße führten durch einen dichten Wald, der das ganze Tal ausfüllte. Die zahlreichen Pflanzen, die zwischen den Bäumen wuchsen und einen dichten Dschungel bildeten, gab es nur hier im Blätterdachtal. Die Waldelfe berauschte sich an der Farbenpracht des Waldes, die von Zartgrün bis Dunkellila reichte. Doch erst in der Dunkelheit zeigte sich diese Pracht in ihrer ganzen Schönheit, denn dann leuchteten die Pflanzen in ihren Farben, hervorgerufen durch die Magie, die in jedem Gewächs wohnte. Die Ritterin atmete den vertrauten Duft dieser wundervollen Landschaft ein. Sie hörte die lange vermissten, so typischen Geräusche des Waldes. Irgendwo in der Ferne war das Brüllen eines Waldbären zu hören. Ta´elga schloss einige Minuten lang die Augen. Sie war zu Hause. Endlich, nach so langer Zeit.
Die Straße folgte jetzt einer leichten Steigung, der Fluss blieb auf der linken Seite unter ihr zurück. Es ging aufwärts. Nicht nur mit dem Weg, sondern auch mit ihr und ihren Gefühlen. Je mehr sie sich dem Ende des Blätterdachtals näherte, desto tiefer wurde rechts und links von der Straße das Tal. Die Straße machte jetzt eine Rechtskurve. In der Kurve führte ein Seitenweg nach links. Ta´elga ritt ein Stück diesen Weg, der wieder abwärts in das Tal führte.
Nach ein paar Metern lichtete sich der Wald und machte den Blick frei auf einen mächtigen Wohnbaum, der auf einer riesigen Lichtung stand. Sie hatte endlich ihr Zuhause erreicht. Nach so vielen Jahren. Sie hielt an und beendete den Reitzauber.
Ta´elga setzte sich an den Wegesrand und blickte zu dem Baum hinüber. In der Nähe sah sie ein paar Elfen, die ihrer Beschäftigung nachgingen. Die Elfe hoffte, ein bekanntes Gesicht zu entdecken. Die Entfernung war aber noch zu groß, als dass sie Einzelheiten erkennen konnte. So verharrte sie eine Weile. Ta´elga war sehr nervös.
»Wie werde ich aufgenommen? Weiß man hier von meinen Untaten? Wird man mir verzeihen?«
Es half nichts. Sie musste sich den Fragen stellen, die mit Sicherheit auf sie zukommen würden. Sie erhob sich und ging die Straße weiter in Richtung des Wohnbaumes. Die Straße endete auf der Lichtung, auf der ihr Heimatwohnbaum stand. Am Ende des Weges standen zwei mit Schwertern und Bögen bewaffnete Elfenwachen, eine Frau und ein Mann, die der Ritterin bekannt vorkamen. Beide blickten forschend in Ta´elgas Richtung. Sie trug wieder ihr neues Kleid. Ihr offenes Haar fiel ihr weich auf die Schultern. Ihren Schmuck hatte sie abgelegt. Die Waldelfe trug nur noch das Amulett Ahlunahs. Als sie näherkam und die beiden Wachen das Amulett erblickten, hörten sie die Stimme der Sternengöttin in ihren Gedanken.
»Folgt Ta´elga, meiner Tochter. Sie trägt mein Zeichen und spricht in meinem Namen.«
Sie wusste sofort, dass alle Bewohner des Wohnbaums gleichzeitig die Worte Ahlunahs hören konnten. Die Wachen verbeugten sich vor ihr. Als die Elfenfrau wieder aufsah, sprach sie zu Ta´elga in ungläubigem und gleichzeitig freudigem Staunen:
»Ahlunah bringe dir Licht und Schutz. Ich kenne dich. Du bist die Tochter von Mon´era, Tol´ik und Lit´ara«
Die Ritterin verbeugte sich ebenfalls und sah die Wachen an.
»Das Licht umarme euch. Ja, die bin ich.«
Bevor sie weitersprechen konnte, hörte Ta´elga plötzlich eine Frauenstimme laut rufen. Die Stimme überschlug sich fast, als sie fragend schrie:
»Ta´elga!? Wo ist sie!?«
Sie sah eine Frau, die aus dem Wohnbaum gelaufen kam. Die Frau erblickte die junge Waldelfe und rannte auf sie zu. Wieder schrie sie laut.
»Ta´elga! Es ist wahr! Du bist es!«
Ihr lief es eiskalt über ihren Rücken. Sie zitterte. Die Frau, die da auf sie zulief, war ihre Mutter Mon´era. Tränen liefen über die Wangen der Frau. Als sie Ta´elga erreichte, konnte Mon´era sich nicht mehr auf den Beinen halten.
Die Tochter hielt ihre Mutter fest und sie sanken beide zu Boden. Sie umklammerten sich. Jetzt schossen auch ihr die Tränen in die Augen.
»Mutter«, sagte sie mit tränenerstickter Stimme.
Dann versagte ihre Stimme. In inniger Umarmung saßen die beiden Frauen am Ende des Weges. Unablässig strich Mon´era ihrer Tochter über die Wangen, als müsse sie erst begreifen, dass ihr verloren geglaubtes Kind keine Einbildung war. Ta´elgas Vater, Tol´ik, der Mon´era gefolgt war, kniete sich neben die beiden und legte den Arm um seine Tochter.
»Vater.«
Ta´elga sah ihren Vater glücklich lächelnd und mit tränengefüllten Augen an. Die Ritterin war jetzt einfach nur Ta´elga, das Kind. Mittlerweile erreichten auch die anderen Elfen die Familie.
Sie sah auf und blickte in vertraute Gesichter. Sie hörte eine sonore Stimme.
»Macht Platz, lasst mich durch. Ich muss sie sehen.«
Ta´elga erkannte sie sofort wieder, sie gehörte ihrem Lehrer Nad´il. Er hatte ihr damals alles beigebracht, was sie als Waldelfe wissen musste. Nad´il unterrichtete nicht nur die weltlichen Dinge, sondern auch Magie. Er grinste breit, als er die junge Frau ansah.
»Willkommen in Fronsvalis´arbor, Ta´elga. Es ist schön, dich wiederzusehen. Ich habe nicht mehr daran geglaubt«, rief Nad´il fröhlich.
Der Lehrer half ihr aufzustehen und umarmte sie herzlich.
»Das muss gefeiert werden. Heute Abend gibt es ein großes Fest. Kommt, wir haben noch viel vorzubereiten«, sagte er in die Runde.
Nad´il war mit sechshunderteinundfünfzig Jahren ein Elf in den besten Jahren. Sein blaues Haar trug er immer noch kurz und streng nach hinten gekämmt. Ta´elga betrachtete ihre Eltern. Mon´era war mittlerweile vierhundertsechzehn Jahre alt und nach den Maßstäben der Elfen hatte sie gerade ihre Jugend hinter sich. Sie war etwas kleiner als ihre Tochter und sehr schlank. Ihre Mutter hatte, wie Ta´elga auch, weißes Haar, das sie offen trug. Beide hatten auch die gleiche Hautfarbe. Dadurch sahen die zwei Frauen sich sehr ähnlich. Tol´ik war vierhundertdreiundsechzig Jahre alt und hochgewachsen. Er trug sein langes, gelbes Haar zu einem Zopf geflochten, seine Haut hatte eine hellblaue Färbung.
Die Ritterin freute sich, dass sie ihre Mutter und ihren Vater wohlbehalten wiedersah. Wie würden sie reagieren, wenn sie von ihren Untaten erfuhren?
Nad´il, Ta´elgas Eltern und sie betraten den Empfangsbereich des Baumes. Die Halle beinhaltete zahlreiche Rampen und Aufzüge, mit denen man die oberen Ebenen erreichen konnte. Der Lehrer verabschiedete sich. Mutter, Vater und Tochter betraten eine Plattform, die sie auf ihre Wohnebene brachte. Der Aufzug fuhr mit beachtlicher Geschwindigkeit in die Höhe. Die Plattformen wurden ausschließlich mit Magie betrieben. Seile oder sonstige Vorrichtungen wurden nicht benötigt. Nach wenigen Minuten hielt die Plattform an und sie betraten eine großzügig angelegte Terrasse.
Es war, als sei Ta´elga nie fort gewesen. Sie sah den Eingang zum Wohnbereich ihrer Familie. Die Eingänge zu den Wohnungen konnte man überall rund um den Baum in jeder Höhe erblicken. Die drei Elfen betraten das Innere des Baums. Die Wohnung ihrer Familie erstreckte sich über drei Ebenen, auf denen sich verschiedene Schlaf- und Arbeitsräume befanden. Der eigentliche Wohn- und Kochbereich lag auf dieser Ebene. Er war in zwei Küchen und drei Ess- und Wohnbereiche aufgeteilt. Der wichtigste Raum aber war der, in dem sie jetzt standen. Er hatte mehrere große Fenster, die einen ungehinderten Blick nach draußen gewährten. Der Wind, der in dieser Höhe ständig gegenwärtig war, wurde durch Magie davon abgehalten, durch den Raum zu wehen. An den Wänden hingen kostbare Teppiche mit den verschiedensten Motiven, die Szenen aus dem Elfendasein zeigten. Auch auf dem Boden lagen wertvolle Teppiche mit ähnlichen Bildern. Mehrere gemütlich aussehende Sitzgruppen waren gleichmäßig im Raum verteilt. In der Mitte stand ein riesiger, runder Tisch, der Platz für mindestens fünfzig Elfen bot. Hier war der gesellschaftliche Mittelpunkt der Wohnung. Hier war Ta´elgas Zuhause.
Alle wollten die Elfe wiedersehen. Es kamen Freunde und Verwandte. Die Ritterin wurde begutachtet, teils mit Freude, teils auch mit Skepsis. Sie nahmen an der riesigen Tafel Platz. Ta´elga musste ausführlich erzählen, wie es ihr bis jetzt ergangen war. Sie wurde mit Fragen regelrecht gelöchert.
Immer wieder blickte sie suchend zum Eingang. Vy´dega und Burh´an, die Paten ihrer Reifezeremonie, und ihr gemeinsamer Sohn Mig´lan waren noch nicht eingetroffen.
Die meisten Elfen bedauerten Ta´elga, bei einigen konnte sie Wut bemerken. Wut darüber, was die Schergen des Magistrats ihr angetan hatten. Die Zeit verrann wie im Flug. Nach und nach verließen die Besucher den Raum, bis auf ihre Eltern. Einige Zeit saßen sie schweigend zusammen. Mon´era und Tol´ik dachten über das Gehörte nach.
»Ich habe Vy´dega und Burh´an noch nicht gesehen. Wie geht es ihnen? Wie geht es unserem Kind?«, unterbrach Ta´elga die Stille.
»Oh, da mache dir keine Sorgen. Sie leben jetzt in Miad´rhor. Den Dreien geht es gut. Mig´lan wächst zu einem prächtigen Elfen heran. Du kannst stolz auf ihn sein«, antwortete ihre Mutter.
»Es freut mich sehr, dass es ihnen gut geht. Ich bin sehr neugierig, meinen Sohn Mig´lan kennenzulernen. Ich werde ihn bald in Miad´rhor besuchen.«
»Ich habe von Lit´aras Verschwinden gehört«, fuhr sie fort.
»Damals, als du vom Magistrat entführt wurdest, verschwand sie auch. Seitdem ist ihr Schicksal ungeklärt«, antwortete Tol´ik.
»Wir dachten, du könntest uns etwas über ihren Verbleib sagen«, sagte Ta´elgas Mutter voller Hoffnung.
»Nein. Ich wusste bis heute nicht, dass sie mit mir zusammen verschwand. Ich kann mich auch nicht erinnern, jemals etwas von ihr gehört zu haben, als ich im Magistrat lebte.«
Ta´elga war sehr traurig über Lit´aras Schicksal und wütend auf den Magistrat. Es wurde Zeit dem Treiben des Bösen ein Ende zu setzen.
»Erinnerst du dich an den Tag, an dem du verschwunden bist?«, fragte ihr Vater.
»Nein. Ich erwachte auf Acceras. Mehr weiß ich nicht.«
»Ich sah dich noch in Richtung des Waldes gehen. Plötzlich war überall ein dichter, undurchdringlicher Nebel. Es war unheimlich«, sagte ihre Mutter fröstelnd.
»Wir hörten Kampfgeräusche und Schreie. Alles ging so schnell. Es dauerte nur wenige Minuten. Plötzlich war der Nebel verschwunden, noch ehe wir unsere Verteidigung organisieren konnten«, erzählte ihr Vater.
»Viele waren getötet worden. Wir suchten das ganze Tal ab, aber Lit´ara und du waren spurlos verschwunden«, sagte Ta´elgas Mutter mit belegter Stimme.
Sie konnte ihren Eltern ansehen, dass die Erinnerungen an diesen Tag sie immer noch sehr mitnahmen. Sie erinnerte sich an Larsons Erzählung. Auch damals war dieser Nebel aufgetaucht. Diese Kampftaktik des Magistrats war ihr bekannt. Die Cwoks bevorzugten den Angriff aus dem Hinterhalt. Die Sternengöttin hatte ihr gesagt, dass Lit´ara irgendwo im Reich des Magistrats leben würde.
»Ich werde meine Patenmutter und unsere Freundin finden. Ahlunah sagte mir, dass sie lebt. Sie konnte mir nur nicht sagen, wo sie sich aufhält.«
Sie konnte in den Gesichtern ihrer Eltern einen Schimmer von Hoffnung erkennen.
»Ich werde bald weiterreisen. Ich muss nach Miad´rhor.«
»Wir dachten, du bleibst erst mal eine Weile hier. Du warst viele Jahre fort«, sagte ihre Mutter enttäuscht.
»Ahlunah schickt mich dort hin. In Miad´rhor sammeln sich unsere Truppen. Es wird wieder mal Krieg geben. Die Truppen des Magistrats marschieren an unserer Grenze im Norden auf.«
»Meine Tochter, du hast dich sehr verändert. Ich spüre, dass du in den Kampf ziehen möchtest. Was ist nur aus meinem kleinen und lebensbejahenden Mädchen geworden, das keinem Lebewesen etwas antun konnte?«
»Du hast Recht, Vater. Ich habe mich verändert. Das kleine Elfenmädchen von früher gibt es nicht mehr. Ich wurde zu einer Kriegerin gemacht. Ich habe es vor meiner Entführung niemals für möglich gehalten, dass ich den Kampf suchen würde. Einerseits sehne ich mich zu Ta´elga, der Waldelfe, zurück. Andererseits bin ich die Sanguenritterin. Das ist jetzt meine Natur.«
»Ich kann mich mit dem Gedanken nicht abfinden, dass du eine Kriegerin bist, die intelligentes Leben tötet, aber du bist und bleibst unsere Tochter«, sagte Ta´elgas Vater leise.
»Musst du denn wirklich gehen?«, fragte ihre Mutter traurig.
In ihrem Gesicht war deutlich die Angst, um ihre Tochter zu sehen.
»Ich will und kann den Auftrag, den mir die Sternengöttin und der Rat gaben, nicht ablehnen. Ich bin nun die Botschafterin des Rates der Neun. Ich werde, wenn es sein muss, in die Schlacht ziehen. Ja Vater, ich werde, wenn es sein muss, intelligentes Leben töten. Ich bin sogar bereit, für die gute Sache zu sterben. Das Böse muss aufgehalten werden. Der Magistrat will den Krieg. Wir müssen uns ihm entgegenstellen, sonst ist unsere Welt verloren«, sagte Ta´elga voller Inbrunst.
»Ich wünschte mir, es gäbe einen anderen Weg den Magistrat am Krieg zu hindern. Deine Mutter und ich werden dich schweren Herzens ziehen lassen und hoffen, dass du bald unbeschadet hierher zurückkehren wirst.«
»Ich werde versuchen etwas über das Schicksal meiner Patenmutter zu erfahren. Ihr werdet mich wiedersehen, das verspreche ich. Macht euch keine Sorgen. Ahlunah wird mich beschützen«, versuchte sie ihre Eltern zu beruhigen.
Sie erwähnte nicht, dass ein Feuer in ihr brannte, wie sie es zu Zeiten als Sanguenritterin in sich gespürt hatte. Dieses Feuer konnte nur im Kampf, mit Blut, gelöscht werden. Dieses Mal sollte es das Blut der Krieger des Bösen sein.
»Der Magistrat hat mich zur Sanguenritterin gemacht. Nun wird sich sein ehemaliges Werkzeug gegen ihn richten. Gepaart mit der Macht der Sternengöttin, werde ich fürchterlich unter den Feinden der Union wüten.«
Sie erschrak über ihre Gedanken. Selbst jetzt noch wirkte die Konditionierung durch den Magistrat. Nie wieder würde sie das friedliebende und sanfte Mädchen sein, das sie vor ihrer Entführung gewesen war. Ta´elga konnte nicht in ihr früheres Leben zurückkehren, das wurde ihr immer klarer. Durch das Leben im Magistrat war sie zu einer anderen Person geworden. Gegenüber ihren Eltern erwähnte sie auch nicht, was sie über den Aufstieg der Elfen wusste. Sie sagte nicht, dass sie irgendwann die Sternengöttin sein würde. Es schmerzte Ta´elga, dass sie selbst ihren Eltern nichts davon erzählen durfte.
Mittlerweile war es Abend geworden. Im Moment war alles gesagt. Ta´elga und ihre Eltern gingen hinunter, auf den großen Platz vor dem Wohnbaum. Aus dem Wald leuchtete das magische Licht, das ihr so vertraut war und dass sie lange nicht gesehen hatte. Hier würde das große Fest zu Ehren ihrer Rückkehr stattfinden.
Auf dem Platz standen zahlreiche Pavillons, unter denen Tische mit den verschiedensten Speisen und Getränke standen. In der Mitte des Platzes loderte ein großes Lagerfeuer. Auf einer Seite hatten sich mehrere Elfen mit ihren Musikinstrumenten aufgestellt. Ta´elga hörte heute wieder zum ersten Mal seit langer Zeit die für Elfen typische Musik, die zum Tanz einlud. Über dem Szenario schwebten zahlreiche bunte Lampions, die den Platz in ein sanftes Licht tauchten. Es waren lange Reihen mit Tischen und Bänken zu sehen, an denen schon viele Bewohner Fronsvalis´arbors saßen. Kurz sah Ta´elga auch die Elfenfrau, die sie vermeintlich hingerichtet hatte und deren Platz dann von der Sternengöttin eingenommen worden war. Diese Frau erwähnte nicht, ob sie Ta´elga im Magistrat jemals gesehen hatte. Auch von ihrer Rettung erzählte sie nichts. Alle Elfen wirkten fröhlich.
An einem der Tische saß Nad´il. Ta´elga näherte sich ihm. Sie hatte sich schon früher gerne mit ihrem Lehrer unterhalten. Als er seine ehemalige Schülerin erblickte, grinste er breit.
»Hallo, Ta´elga. Komm setze dich zu mir.«
Gerne kam sie seiner Aufforderung nach. Sie hatte sich einen Krug mit Fahrnapfelsaft mitgenommen. Sie bot ihrem alten Lehrer ein Glas von dem Fruchtsaft an.
»Danke, Ta´elga, aber ich bevorzuge da mein eigenes Gebräu. Ich habe lange mit verschiedenen Kräutern und Extrakten experimentiert. Ich glaube, jetzt habe ich ein ganz passables Bier herstellen können. Ich habe extra für dieses Fest drei Fässer davon spendiert. Möchtest du etwas von meinem Bier?«
»Später vielleicht. Es ist mir noch zu früh für berauschende Getränke.«
»Und? Wie ist es dir im Kreise deiner Familie ergangen? Wie haben sie dich aufgenommen?«
»Na ja, die meisten haben sich gefreut, mich wiederzusehen. Einige sind skeptisch, sie glauben nicht, dass ich völlig vom Einfluss des Magistrats befreit bin. Meine Eltern sind in großer Sorge um mich. Sie haben gehofft, dass ich jetzt hierbleibe. Mein Vater ist mit meiner neuen Aufgabe, als Botschafterin und Kriegerin, überhaupt nicht einverstanden.«
Ta´elga seufzte.
»Wie ist der Rat der Neun auf dich gekommen? Warum hat er dich zur Botschafterin gemacht? Ich weiß natürlich, dass du besondere Begabungen hast, aber es gibt doch sicherlich genügend andere Elfen, die diese Aufgabe übernehmen können. Warum gönnt der Rat dir keine Ruhe, nach allem was du durchgemacht hast?«
»Verzeih mir Nad´il, wenn ich dir nicht alle Einzelheiten nennen darf. Der Rat hat aber sehr gute Gründe dafür, dass er mich ausgewählt hat. Einer der Gründe dafür ist die Erfahrung, die ich im Magistrat als Sanguenritterin erworben habe. Mein Wissen ist ein enormer taktischer Vorteil für die Union.«
»Ich fürchte, das wird aber nicht überall so gesehen.«
»Wie meinst du das?«
»Ich kenne den Oberbefehlshaber der Union, der die Truppen im Miad´rhor kommandiert. Er ist ein erfahrener Menschenkrieger, aber er misstraut uns Elfen. General Tehryn ist unsere Langlebigkeit nicht geheuer. Er stellt unsere Loyalität zwar nicht in Frage, aber hintergründig glaubt er, dass wir eigene Ziele verfolgen.«
»Warum glaubt er das?«
»Er ist der Meinung, dass wir Elfen nicht genügend auf die Belange der Menschen Rücksicht nehmen.«
»Ist es denn so?«
»Nein. Die Menschen sind nur ungeduldiger im Kampf gegen den Magistrat. Sie wollen den Sieg über das Böse noch zu ihren Lebzeiten feiern. Unser weitaus längeres Leben macht uns geduldiger.«
«Ich verstehe.«
»Er würde gerne als Sieger in Muantur, der Hauptstadt des Magistrats, einmarschieren. Denke daran, wenn du General Tehryn begegnest.«
»Das werde ich.«
»So, nun genug der ernsten Themen. Ich freue mich, dass du wohlbehalten bist. Lass uns nun feiern. Schließlich ist das Fest dir und deiner Rückkehr gewidmet.«
Nad´il stand auf, erhob seinen Krug und rief laut in die Runde. Die Musik hörte auf zu spielen.
»Nun, Freunde. Ich erhebe meinen Krug auf Ta´elga. Darauf, dass sie zu uns zurückgekehrt ist. Auf Ta´elga, unsere Freundin.«
Die Elfen wandten sich Nad´il und Ta´elga zu und erwiderten den Trinkspruch, indem sie ihre Trinkgefäße erhoben. Die junge Frau errötete leicht und verbeugte sich in Richtung der Elfen.
Sie erhob ihr Glas und sagte:
»Mögen wir heute Abend viel Freude haben. Auf euch meine Freunde.«
Die Musik erklang wieder. Es wurde ein sehr fröhlicher, unbeschwerter Abend. Die Sorgen des Tages waren vergessen. Es wurde die ganze Nacht gesungen, getanzt, gegessen, getrunken und geliebt. Es war ein rauschendes Fest. Ta´elga ließ sich von der fröhlichen Stimmung mitreißen. Sie genoss das Fest mit ihrer Familie und mit ihren Freunden und mit zu viel von dem köstlichen Elfenwein.
Sinan Eldar – Goldbruch
»Wir Menschen, im Reich des Magistrats, sind den Herrschern gegenüber genauso loyal, wie die Angehörigen der anderen Völker auch. Einige Wesen scheinen das zu bezweifeln. Ich bin jederzeit bereit, diese Zweifler von unserer Treue zu überzeugen. Wenn es sein muss, auch mit meinem Schwert.«
(Sinan Eldar, Sanguenritter)
Sinan Eldar schaute seinem Freund solange hinterher, bis dieser von der Dunkelheit verschluckt wurde, dann ritt er der kleinen Menschenansiedlung entgegen. Dort war er schon oft gewesen. Im Reich des Magistrats gab es nicht viele Ortschaften, in denen ausschließlich Menschen lebten.
Sinan Eldar hegte keine Vorurteile gegen andere Wesen; für ihn gab es nur Freund und Feind. Dennoch mochte er es, für einige Zeit nur unter den Angehörigen seines Volkes zu weilen.
In der Armee des Magistrats gab es nur wenige Menschenkrieger. Der Grund lag darin, dass nur wenige Menschen Magie beherrschten. Er selbst gehörte zu den absoluten Ausnahmen seiner Rasse. Die Menschen waren so loyal wie die anderen Völker auch, und ihr Kampfeswille war mindestens ebenso groß wie der von Elfen, Cwoks und anderen Völkern. Im Vergleich zu ihnen verfügten Menschen jedoch nur über geringe Körperkräfte und waren deshalb für den Feind leichter zu töten. Tatsächlich gab es in der Armee des Magistrats nur eine Kompanie, die ausschließlich aus Menschensoldaten bestand. Alle Angehörigen dieser Einheit beherrschten mehr oder minder starke Zauber. Aufgrund ihrer harten Ausbildung war diese Truppe gefürchtet und wurde für spezielle Einsätze verwendet.
Die meisten Menschen im Magistrat verdingten sich jedoch als Handwerker, Köche, Bäcker und Arbeiter. Einige von Sinan Eldars Artgenossen verdienten ihren Lebensunterhalt mit zwielichtigen Geschäften. Diese Frauen und Männer konnte man für alle Arten von Arbeiten anwerben. Man traf sie nur an Orten, an denen ausschließlich Menschen lebten, denn eigentlich verbot die Lehre ein Leben außerhalb der Gesetze. Doch die Herrscher sahen bei den Menschen großzügig darüber hinweg, dass sie die Lehre nicht immer ganz so streng befolgten.
Ein Leben gemäß der Lehre der Herrscher war Sinan Eldars höchstes Ideal. Ihm fehlte jedes Verständnis für Wesen, die nicht versuchten, dieses Ideal zu erreichen. Zugleich war er Realist genug, um zu wissen, dass es gerade für die Menschen im Magistrat sehr schwer war, ein solches Leben zu führen. Ihm selbst gelang es ja auch nicht immer. Tiefe Abscheu empfand Sinan Eldar für Wesen, die es grundsätzlich ablehnten, die Lehre zu befolgen. Dennoch erkannte der Sanguenritter ihre Nützlichkeit.
Vielleicht hatten diese Menschen die Informationen, die er benötigte.
Der Ort, dem Sinan Eldar jetzt zielstrebig entgegen ritt, in dem Tagelöhner, Handwerker und einige zwielichtige Gestalten zu finden waren, nannte sich Goldbruch. Der Name stammte von einer Goldmine, die der Grund für die Menschensiedlung war.
Schon seit vielen Jahrhunderten wurden rund um den Ort, in mehreren Minen, Gold und andere Edelmetalle und sogar Edelsteine abgebaut. Die ursprüngliche Bergarbeitersiedlung hatte sich im Laufe der Zeit zu einem Ort entwickelt, an dem fast alle Wünsche erfüllt wurden, sofern man über die entsprechenden Zahlungsmittel verfügte. Goldbruch war nicht sehr groß. Die niedrigen Häuser duckten sich alle hinter einem Wall aus Sand und Steinen, der sich rund um die Ortschaft zog und hervorragenden Schutz vor den fürchterlichen Sandstürmen bot, die hier in der Wüste regelmäßig die kleine Stadt im Winter heimsuchten.
Schon seit vielen Jahrhunderten wurden rund um den Ort in mehreren Minen Gold und andere Edelmetalle, ja sogar Edelsteine abgebaut. Die ursprüngliche Bergarbeitersiedlung hatte sich im Laufe der Zeit zu einem Ort entwickelt, an dem fast alle Wünsche erfüllt wurden, sofern man über die entsprechenden Zahlungsmittel verfügte. Goldbruch war nicht sehr groß. Die niedrigen Häuser duckten sich hinter einem Wall aus Sand und Steinen, der sich rund um die Ortschaft zog und hervorragenden Schutz vor den fürchterlichen Sandstürmen bot, die die kleine Stadt im Winter regelmäßig heimsuchten.
Sein Ziel war eine kleine Taverne in Goldbruch, die das beste Bier im Magistrat ausschenkte. Niemand wusste, woher der Wirt sein Gebräu bezog und entsprechende Nachfragen beantwortete er nur mit einem Kopfnicken. Allein das Bier war schon ein Besuch Goldbruchs wert, aber Sinan Eldar wollte dort auch Informationen sammeln.
In den verschiedenen Vergnügungsstätten der Siedlung konnte man mitunter den einen oder anderen treffen, der gegen entsprechendes Entgelt bereit war, nützliche Auskünfte zu verkaufen. Der Sanguenritter Sinan Eldar hoffte, mehr über jenes Wesen zu erfahren, das Acceras so schmählich verraten hatte.
Die Nacht neigte sich ihrem Ende zu, im Osten färbte sich der Himmel orangerot. Der Menschenkrieger hielt an und ließ seinen Reitdämon und seine Ausrüstung verschwinden, die ihn als Sanguenritter erkennbar machten. Aus einem schäbigen Stoffbeutel nahm er die Kleidung, die er immer dann trug, wenn er nicht als ein Führer des Magistrats erkannt werden wollte. Sie bestand aus einer braunen Stoffhose, einem beigen Hemd und einem langen dunkelbraunen Ledermantel, dazu trug er einfache, halbhohe Stiefel, die aus dem gleichen Leder waren wie sein Mantel. An einem geflochtenen Gürtel aus fast weißem Leder trug er einen kunstvoll gefertigten Krummdolch aus Gold, der ihn als Waffen- und Kunstschmied auswies. Bei den Wesen, die ihn in dieser Aufmachung kannten, war er als Sid, der Schmied, bekannt. Sie hielten ihn für einen Wanderschmied, der seine Dienste überall dort anbot, wo sie benötigt wurden.
In der Tat hatte der junge Sinan das Schmiedehandwerk bei seinem Vater erlernt. Er wuchs in einer ähnlichen Siedlung auf wie Goldbruch. Eines Tages kam ein Rekrutierungstrupp in die Stadt und sein Vater verkaufte ihn für ein paar Goldstücke an die Soldaten. Seitdem war Sinan Eldar nie wieder in seinem Heimatort gewesen.
Nachdem der Sanguenritter sich umgezogen hatte, erklomm er einen großen Felsen und setzte sich darauf, um den Sonnenaufgang zu beobachten. Schon als Kind hatte er das prächtige Farbenspiel gerne betrachtet, wenn das Licht der aufgehenden Sonne das tiefe Blau der Nacht verdrängte. Das Leuchten des neu beginnenden Tages verscheuchte die Dunkelheit. Auch heute noch mochte er dieses Naturschauspiel und nutzte jede Gelegenheit, es sich anzusehen, wann immer sie sich ihm bot. Für ihn symbolisierte es zugleich die Bedeutung der Lehre der Herrscher: Das Gute vertreibt das Böse. In diesen Momenten fühlte er sich den Herrschern ganz nah. Das war sein kleines Geheimnis, das Sinan mit niemandem teilen wollte.
Als die ersten wärmenden Sonnenstrahlen den Sanguenritter, jetzt Sid, der Schmied, berührten, brach er auf. Er fühlte sich gut, wie schon lange nicht mehr. Es war noch ein langer Fußmarsch bis nach Goldbruch. Sid schätzte, dass er die Menschensiedlung erst bis zum Mittag erreichen würde. Aber er konnte es nicht wagen, noch näher an die Ortschaft auf seinem Reitdämon heran zu reiten ohne als Sanguenritter erkannt zu werden.
Die Sonne stand schon ziemlich hoch im Süden, als er die ersten Rauchwolken am Horizont sehen konnte. Sein Ziel, Goldbruch, war jetzt nicht mehr fern. Der Rauch stammte von den Schmieden und aus den Öfen, in denen der Stahl gekocht wurde. In der Siedlung gab es mehrere davon. Die staubige Straße verengte sich am Wall von Goldbruch zu einem schmalen Durchgang. Sid, der Schmied, durchschritt die Passage und stand auf der Hauptstraße der Ortschaft, die direkt zum südlichen Durchgang führte.
Die kleine Ortschaft war staubig, die Häuser, Straßen und Gassen hatten die Farbe der umgebenden Wüste angenommen. Es roch nach Kohle, Eisen und vielem mehr. Aus den kleinen Gassen, die rechts und links von der Hauptstraße abzweigten, konnte Sid die typischen Geräusche Goldbruchs hören. Das Hämmern der Schmieden und die Laute der Menschen, die ihren verschiedenen Beschäftigungen nachgingen, drangen an seine Ohren. Er ging zielstrebig auf eine bestimmte Gasse zu. Die schmalen Straßen waren gerade breit genug, dass drei Männer nebeneinander gehen konnten. Zwischen den dicht stehenden Häusern waren große dreieckige Tücher über die Gassen gespannt, die vor Sand und Sonne schützten. Vor einzelnen Häusern standen schmale Verkaufsstände, an denen die verschiedensten Güter angeboten wurden. Viele waren es nicht, denn im Magistrat gab es nicht viel, was den Verkauf lohnte. Hier handelte es sich vor allem um Dinge aus Metall.
Sid sah Ess- und Trinkgefäße, Bestecke, Lampen, Krüge und einige, mehr oder minder gute, Schwerter und Dolche. Nur wenige Menschen hielten sich draußen auf. Die Hitze zur Mittagszeit war nahezu unerträglich und die meisten Bewohner und Besucher Goldbruchs bevorzugten den Aufenthalt in den Häusern.
Seine Schritte wurden schneller, er wollte schnellstmöglich der Hitze und dem Staub entkommen. Endlich erreichte er die kleine, schäbige Taverne und trat ein. Das Gasthaus hatte keine Fenster, drinnen erhellten nur ein paar wenige Kerzen den Innenraum.
Der Wanderschmied blieb einen Moment stehen, damit sich seine Augen an die schummrige Beleuchtung gewöhnen konnten. Obwohl es hier drinnen angenehm kühl war, roch es stickig. Die Luft war angefüllt mit Gerüchen von Speisen, berauschenden Getränken, Kerzenrauch und dem Schweiß der anwesenden Gäste.
»Wahrlich ein ungemütlicher Ort«, dachte Sid angewidert.
Die Einrichtung der Taverne war so, wie er sie in Erinnerung hatte. In dem einzigen, quadratischen Raum standen mehrere Tische und Stühle aus dunkelgrauem Stein. Die Wände waren hellgrau und schmutzig, ebenso der dunkelgraue Steinboden. Auf jedem Tisch stand eine Kerze. Ihre Flammen flackerten vom Luftzug, der vom Eingang her herein blies.
Sid schloss die steinerne, hellgraue Tür hinter sich. Die lange Theke an der linken Wand war aus demselben Stein wie das Mobiliar und der Boden. Die an den Tischen sitzenden Menschen schauten kurz zur Tür, um sich dann wieder ihren Speisen, Getränken oder auch ihren Gesprächen zu widmen. Der Wirt, den er nur unter dem Namen Roph kannte, begrüßte den Wanderschmied.
»Die Herrscher gestalten den Tag. Du warst lange nicht hier. Soll ich dir ein Bier bringen?«
Roph war ein mittelalter, dürrer, aber sehr gepflegter Mann. Er trug ein blütenweißes Hemd, an dem nicht ein einziger Fleck zu sehen war. Sid wunderte sich jedes Mal darüber, wie Roph das in dieser Umgebung zustande brachte. Der Wirt war glattrasiert und trug braunes, kurzes Lockenhaar. Er passte so gar nicht in seine schmutzige Taverne, fand Sid. Es schien, als vernachlässige Roph die Reinlichkeit seiner Gaststätte zugunsten der eigenen Pflege. Doch sein Bier war erstklassig und half, die heruntergekommene Taverne zu ertragen.
»Ja und ein Großes bitte. Meine Kehle ist trocken von meiner Wanderung durch die Wüste.«
Der Wirt nahm einen großen Steinkrug aus dem Regal hinter ihm und füllte ihn aus einem Fass auf der Theke mit dem köstlichen Nass. Er stellte den gefüllten Krug vor dem Wanderschmied ab. Sid leerte den Krug in einem Zug aus und stellte ihn wieder auf die Theke. Mit einer Hand wischte er sich über den Mund.
»Dafür lohnt es sich immer wieder, hierher zu kommen.«
Wortlos nahm der Gastschenk das Gefäß und füllte es erneut aus dem großen Fass.
»Was treibt dich hierher? Hast du schon von der verlorenen Schlacht gehört?«
»Ich war dort. Ich habe viele Schwerter für die Krieger geschmiedet. An meinen Waffen hat es nicht gelegen, dass die Schlacht verloren ging.«
»Was ist dort geschehen?«
»Ich weiß es nicht. Plötzlich mussten wir Telos verlassen. Es war von Verrat die Rede. Mehr kann ich dazu nicht sagen. Vielleicht erfahre ich irgendwann mehr über diese Niederlage.«
Während Roph ein paar Krüge spülte, zeigte er mit seinem Kinn auf eine dunkle Ecke seiner Taverne.
»Dort hinten sitzt einer, der behauptet auch dort gewesen zu sein. Er ist sehr schweigsam und tut sehr geheimnisvoll. Ich habe ihn noch nie hier gesehen. Vielleicht erfährst du von ihm etwas.«
»Fülle mir noch einen Krug, Roph. Ich werde ihm ein Bier ausgeben und mal sehen, ob er gesprächiger wird.«
Der Wirt tat wie ihm geheißen und Sid ging zu dem Tisch, in der nur karg beleuchteten Ecke des Gastraumes. Dort saß der geheimnisvolle Gast, in einem dunkelgrünen, abgewetzten Ledermantel gekleidet, die Kapuze tief ins Gesicht gezogen. Er stellte den zweiten Krug vor dem Mann auf den Tisch.
»Trink mit mir auf die Gefallenen von Acceras«, forderte der Wanderschmied den Fremden auf.
»Warum sollte ich mit dir trinken?«, fragte der Mann mit leiser, aber ungewöhnlich klarer Stimme.
Der Mann hielt seinen Kopf gesenkt. Sid setzt sich ihm gegenüber und schob den Bierkrug näher zu dem Mann.
»Weil ich auch dort gewesen bin.«
Der Fremde hob den Kopf und sah den Wanderschmied an. Sid blickte in ein von vielen Schlachten gezeichnetes Gesicht, aus dem ihn hellblaue Augen musterten. Die Narben waren zahlreich und die Furchen tief. Er schätzte den Mann vor sich auf fünfzig Lebensjahre.
»Wie ist dein Name?«, fragte Sid den Fremden.
»Spielt das eine Rolle?«
»Mein Name ist Sid«, sagte der Wanderschmied in der Hoffnung, dass der Fremde auch seinen Namen nannte.
»Vielleicht. Ich habe dich nie in Acceras gesehen.«
»Dort waren viele Menschen.«
»Ja.«
»Was hast du in Acceras gemacht?«, fragte Sid.
»So dies und das.«
Der Mann zog jetzt seine Kapuze herunter, nahm den Bierkrug und trank einen großen Schluck. Dann sah er den Schmied an und sagte:
»Na gut. Scheinbar willst du irgendetwas von mir. Was ist es?«
»Ich wollte nur mit einem Kampfgefährten trinken.«
Der Fremde lachte verächtlich.
»Kampfgefährte? Du hast nicht an meiner Seite gekämpft. Du hast nicht gesehen, was ich gesehen habe. Du bist nur ein Schmied, sonst nichts.«
Der Fremde trank den Krug leer und Sid gab dem Wirt ein Zeichen zwei neue Krüge zu bringen.
»Verzeih, ich wollte dir nicht zu nahetreten. Aber auch ich habe meinen Teil zum Kampf beigetragen.«
»Ja, aber du hast nicht gekämpft.«
»Du bist ein Krieger?«
»Ja, das bin ich«, sagte der Mann voller Stolz.
»Du gehörst zu den Menschensoldaten.«
»Ja.«
Roph brachte zwei neue Krüge mit Bier. Sid nahm einen und trank daraus, der Fremde tat es ihm gleich.
»Ich weiß, dass ihr ehrenhaft gekämpft habt.«
»In der Tat, das haben wir. Die Niederlage war nicht unsere Schuld.«
»Weißt du, was passiert ist?«
Der Fremde nickte.
»Ja. Ich habe es gesehen.«
»Was hast du gesehen?«
Sid wurde fast überwältigt von seiner Neugier. Er musste sich zurückhalten, damit er nicht seine wahre Identität preisgab und dem Mann einfach befahl sein Wissen mitzuteilen. Er musste Geduld haben.
»Ich habe Verrat gesehen und ich kann es immer noch nicht glauben.«
»Verrat? Wer sollte uns verraten haben? Bist du sicher?«, fragte er, den Überraschten vortäuschend.
Der Fremde nahm wieder einen tiefen Zug aus dem Krug. Dann schaute er den Wanderschmied prüfend an. Sid hielt seinem Blick stand und lächelte sogar ein wenig. Der Mann senkte seinen Blick.
»Ich habe es versucht, wirklich versucht. Aber man hat mir nicht geglaubt. Mir wurde gesagt, ich solle einige Zeit in meinem Heimatdorf verbringen und mir die Lehre wieder näherbringen. Diese Ignoranten«, sagte der Fremde mehr zu sich selbst als zu dem Waffenschmied. Er ballte seine rechte Hand und sah Sid wieder in die Augen.
»Ich habe es versucht«, wiederholte er zornig.
»Willst du es mir nicht erzählen? Vergiss nicht, ich war auch dort und bin genauso von dem Verrat betroffen, wenn es dann einer war, wie du behauptest.«
Der Fremde sah den Wanderschmied einige Zeit wortlos an, dann begann er mit seiner Erzählung.
»Na gut. Mein Name ist Wilnus Hartoor, ich bin schon seit sehr langer Zeit ein Menschenkrieger. Ich habe viele siegreiche Schlachten geschlagen. Die Schlacht um Acceras war bereits in vollem Gange, als ich den Auftrag bekam mit meinen Männern einen Hinterhalt auf feindlichem Gebiet vorzubereiten und dann auf Verstärkung zu warten.
So zogen wir los und erfüllten unsere Aufgabe. Dann warteten wir. Es waren schon viele Stunden vergangen. Mir wurde nicht gesagt, wer unsere Verstärkung sein würde. Ich rechnete mit einem Trupp Cwoks. Ich hielt also Ausschau. Ich sah die Soldaten der Union in einiger Entfernung vorbeiziehen. Meine Männer wurden langsam ungeduldig, sie fragten, wann wir in den Kampf ziehen würden. Eine Antwort hatte ich nicht.
Das Warten wurde zur Qual. Ich konnte die Geräusche der Kämpfe hören und ich wollte dabei sein. Dann, der Morgen dämmerte bereits, hörte ich einen Reiter aus Richtung der grauen Festung kommen.«
Wilnus Hartoor unterbrach seine Erzählung, um zu trinken. Sid wartete geduldig, dass er fortfahren würde. Der Menschenkrieger stellte den geleerten Krug wieder vor sich ab. Dann richtete sich sein Blick auf einen Punkt hinter dem Wanderschmied.
»Ich schaute also in die Richtung, aus welcher der Reiter kommen musste. Dann sah ich ihn. Es war ein Sanguenritter auf seinem Reitdämon. Ich fühlte Erleichterung. Endlich würde es losgehen. Ich sah, dass der Ritter an uns vorbeireiten würde und machte mich bemerkbar. Aber so laut ich auch rief, er beachtete mich nicht. Mir blieb nichts anderes übrig als meine Position zu wechseln. Ich wollte sehen, wohin er ritt. Ich kletterte auf einen Felsen, die Sonne stand niedrig in meinem Rücken, was mich für meine Feinde fast unsichtbar gemacht hat. Ich sah den Sanguenritter wieder. Er überquerte gerade eine kleine Ebene. Er ritt schnurstracks auf die feindlichen Stellungen zu.
Ich begann, den Wagemut des Kriegers zu bewundern. Aber warum hatte er uns nicht mitgenommen? Fast schon hatte er unsere Feinde erreicht. Ich sah keine Anzeichen dafür, dass gleich ein Kampf stattfinden würde. Ich glaubte meinen Augen nicht trauen zu können, als die Unionskrieger sich erhoben und ihre Stellungen verließen. Ihre Waffen hatten sie gesenkt. Der Sanguenritter erreichte die Soldaten. Er stieg von seinem Dämon und begrüßte die Feinde wie Freunde.«
Der Mann sah Sid wieder an.
»Kannst du dir meine Verwirrung und meine Enttäuschung vorstellen?«
Ohne eine Antwort abzuwarten, erzählte er weiter.
»Nein, das kannst du nicht. Ich blickte noch lange dorthin, wo der Sanguenritter verschwunden war. Ich versuchte, meine Gedanken zu ordnen. Ein hoher Führer des Magistrats war ein Verräter? Konnte das sein? Trügt der Schein? Ich fand keine Antwort.
Je mehr ich darüber nachdachte, desto ratloser wurde ich. Was sollte ich jetzt tun? Mir war klar, dass man mir nur schwer oder gar nicht glauben würde.
Ich ging zurück zu meinen Männern und befahl die Rückkehr zur Festung. Die Männer waren zwar enttäuscht, aber gewohnt keine Fragen zu stellen. Ich erstattete meinem Kommandeur Bericht. Er bestätigte, dass wir auf den Ritter gewartet hatten. Eine Erklärung wusste er aber auch nicht. Kurze Zeit später fiel die Festung.«
Die beiden Männer saßen sich jetzt schweigend gegenüber. Roph brachte zwei gefüllte Steinkrüge, stellte sie wortlos ab und zog sich sofort zurück. Sid war erschüttert.
»Wer war dieser Ritter? War es doch möglich, dass es Taelga gewesen ist, dass sie nicht in der Schlacht gefallen ist? Wie würde sein Freund es aufnehmen?«
Für Sinan Eldar klang es unglaublich. Einer aus ihren Reihen, scheinbar die Waldelfe, war zum Verräter geworden. Dieser Verrat warf viele Fragen auf. Er traute sich nicht diese Gedanken zu denken, zu ungeheuerlich waren sie. Wilnus Hartoor konnte Sid seine Erschütterung ansehen. Ihm wurde klar, dass nicht nur seine Geschichte dafür die Ursache sein konnte.
»Hast du auch eine Geschichte zu erzählen?«, fragte er daher den Wanderschmied.
Sid nahm seinen Krug und trank. Über den Rand des Gefäßes hinweg musterte er Wilnus Hartoor nachdenklich.
»Soll ich ihm die Wahrheit sagen?«
Nein, entschied er. Er wollte seine Tarnung wahren, er würde sie noch für künftige Besuche in Goldbruch brauchen. Sid stellte den Krug langsam ab.
»Ja. In diesen schweren Zeiten hat wohl jeder eine Geschichte zu erzählen. Selbst ich, wenn ich dann wollte. Glaube mir, meine möchtest du nicht hören. Du würdest dich wohl nur langweilen. Also lassen wir es dabei bewenden. Deine Erzählung hat mir sehr geholfen. Du hast bestätigt, was die hohen Führer auch vermuten. Wir sind von einem Sanguenritter verraten worden. Ich werde ihnen von dir berichten.«
»Du? Ausgerechnet ein Waffenschmied?«, fragte der Fremde und lächelte verächtlich.
»Ja. Nach unserer Ankunft in Noslahr bat mich ein Offizier, der wusste, dass ich nach Goldbruch wollte, mich ein wenig bei den Menschen umzuhören. Er hat mir von dem Verdacht der hohen Führer erzählt. Das ist alles.«
»Wie du meinst.«
Verärgerung klang in Wilnus Hartoors Stimme. Er erhob sich und zog seine Kapuze über. Sein Gesicht wurde unsichtbar.
»Ich danke dir für das Bier. Ich muss weiter, ich habe noch einen weiten Weg vor mir. Vielleicht ist meine Information nützlich für dich, vielleicht auch nicht. Die Herrscher gestalten den Tag.«
Mit diesen Worten verließ Wilnus Hartoor Rophs schäbige Taverne.
»Ich sollte diese Schenke auch verlassen. Vielleicht kann ich woanders noch etwas mehr erfahren.«
Sid ging zur Theke und gab Roph eine Silbermünze.
»Du musst weiter?«
»Ja. Vom Sitzen wird mein Bauch nicht voll. Ich muss mich umsehen, ob jemand meine Handwerkskünste benötigt.«
Sid trat hinaus in die Nachmittagssonne. Die Hitze hatte etwas nachgelassen und ein angenehm kühler Lufthauch wehte durch Goldbruchs Gassen. Seine Gedanken waren in Aufruhr. Ein Sanguenritter, vielleicht Taelga, war zum Verräter geworden? Geschah das freiwillig oder war Magie im Spiel?
Die Sanguenritter waren, nach den Herrschern und den Protektoren, die mächtigsten Wesen im Magistrat. Warum haben die Herrscher den Verrat nicht verhindern können?
Sid wusste keine Antwort, er hatte keine Erklärung. Ein Gedanke schlich sich immer wieder in seinen Kopf. So oft er ihn auch verdrängen wollte, er kam immer wieder.
»Haben die Herrscher versagt?«
Dieser Gedanke war Hochverrat, die Existenz als Untoter sicher, wenn er ihn laut aussprechen würde. Wie ging es nun weiter? Er dachte an Aaghyl. Sein Freund hätte einen Rat gewusst. So war es immer gewesen, seit er mit dem Steinelfenmann in den Kampf gezogen war.
Ganz in seinen Gedanken versunken, lief er durch die engen, verwinkelten Gassen der Menschensiedlung, nicht darauf achtend, wohin ihn seine Schritte führten. Plötzlich hörte er seinen Namen rufen. Die Stimme unterbrach sein Grübeln.
»He, Sid, auch mal wieder in dieser Gegend?«
Der Wanderschmied sah sich um und entdeckte die Quelle des Rufes. Göd Emerz stand vor seiner Schmiede und winkte ihm zu.
»Hast du Lust, dir ein paar Silberstücke zu verdienen? Ich könnte Hilfe gebrauchen.«
Langsam schlenderte er zu der Werkstatt.
»Ja, gerne. Ich habe Lust wieder ein paar gute Schwerter zu machen.«
So blieb er in Übung und hatte etwas Abwechslung. Sid hatte noch einen Tag Zeit, bis er zum großen Pass aufbrechen musste, um sich dort mit Aaghyl zu treffen. Vielleicht konnte er noch das eine oder andere hier erfahren. Waffenschmiede kamen mit Kriegern zusammen und schnappten oft nützliche Informationen auf.
»Und deine Kunst ist mehr als willkommen. Jetzt nach der verlorenen Schlacht ist die Nachfrage nach guten Waffen sehr groß. Jede Hand ist mir willkommen.«
Gemeinsam betraten sie das kleine Haus des Schmieds, das nur zwei Etagen besaß. Die untere wurde vollständig von der Schmiede eingenommen, die obere diente Göd Emerz als Wohnbereich. Sid sah den großen Ofen, mit dem riesigen Blasebalg, der an der Rückwand stand. Davor standen verschieden große Ambosse. Hier gab es, ringsum an den Wänden, massive Werkbänke aus Stein, an denen man alle Arbeiten an den geschmiedeten Metallen verrichten konnte. Hier gab es alle Werkzeuge, die man zur Herstellung von hochwertigen Messern, Äxten und Schwertern brauchte.
In der Schmiede war es warm und dünne Rauchschwaden zogen durch den Raum. Sid roch das glühende Eisen und die verbrannte Kohle. Der Geruch erinnerte ihn an die heimatliche Werkstatt seines Vaters.
Der Sanguenritter verscheuchte die sentimentalen Gedanken. Göd gab ihm eine schwere Schürze aus dickem Leder und zeigte auf einen Stapel frisch geschmiedeter, unbearbeiteter Klingen, der neben einem Schleifstein lag.
»Ein Auftrag eines hohen Offiziers. Fünfzig Schwerter müssen bis heute Abend fertig sein. Er kommt nach Einbruch der Dunkelheit, um sie abzuholen.«
»Dann mache ich mich lieber ans Werk, damit alles zu seiner und unserer Zufriedenheit ausfällt.«
Er setzte sich auf den steinernen Hocker vor dem Schleifstein und trat mit dem rechten Fuß das Pedal, das den Stein antrieb. Dann begann er mit seiner Arbeit. Die Funken stoben durch die Schmiede, als Sid den Klingen den richtigen Schliff gab. Er ließ etwas von seiner Magie des Sanguenritters auf die Metallstücke wirken. Diese Schwerter würden für jeden Krieger, der eine solche Waffe besaß, etwas Besonderes sein. Selbst der kleinste Schnitt, der einem Feind mit einem dieser Schwerter zugefügt wurde, verursachte große Schmerzen und schwächte den getroffenen Kämpfer.
Sid hatte sich mit seinen Klingen einen gewissen Ruf erworben, ohne dass die Magie, die in seinen Waffen wirkte, bekannt war. Der Schmied war froh, dass Sid gerade jetzt aufgetaucht war. Hohe Offiziere konnten sehr ungemütlich werden, wenn ein Auftrag nicht wie erwartet erfüllt wurde.
Die zwei Schmiede arbeiteten wie Besessene. Sid schliff eine Klinge nach der anderen, während Göd für ständigen Nachschub sorgte. Als es draußen dunkel wurde, waren sie fertig. Fein säuberlich aufgereiht lagen die silberglänzenden Schwerter auf einer Werkbank. Jede Klinge war absolut makellos. Der Offizier würde zufrieden sein. Die beiden Männer setzten sich an einen kleinen Tisch, der an einer Wand stand. Zufrieden blickten sich die Schmiede an.
»Das war gute Arbeit, Sid. Ohne dich hätte ich es nicht geschafft. Sicher kann ich für deine Schwerter einen höheren Preis erzielen.«
»Ja, sie sind uns gut gelungen.«
Der Lehre der Herrscher verpflichtet, ignorierte er das Gefühl des Stolzes, welches ihn durchströmen wollte. In Gedanken zitierte er einen Vers aus dem Buch der Herrscher.
»Stolz führt zur Überheblichkeit.
Überheblichkeit führt zum Versagen.
Nur der Krieger, der nicht stolz ist, wird den Sieg erringen.«
Göd beugte sich hinunter und holte einen kleinen Krug und zwei winzige Trinkgefäße unter dem Tisch hervor. Er füllte die kleinen Steinbecher mit einer hellen, klaren Flüssigkeit.
»Lass uns auf unser Werk trinken«, forderte der Schmied Sid auf und hob sein Becherchen.
Sid nahm sein kleines Gefäß und roch daran. Ein scharfer Geruch stach in seine Nase.
»Bei den Herrschern, was ist das?«
Göd Emerz grinste.
»Es wird von den Menschen auf Telos gebrannt und ist dort sehr beliebt. Es ist sehr schwer zu bekommen, aber ich habe so meine Möglichkeiten. Trinke, Sid, trinke.«
Göd führte den Becher an seinen Mund, warf den Kopf nach hinten und schluckte den Inhalt schnell hinunter. Sid machte es ihm nach. Die Flüssigkeit rann seine Kehle hinunter. Er glaubte, flüssiges Feuer füllte seinen Magen. Er beugte sich nach vorne und knallte das steinerne Trinkgefäß so hart auf den Tisch, dass es zerbrach. Er rang nach Luft und schüttelte sich. Seine Stimme war noch heiserer als gewöhnlich.
»Das ist ja ein scheußliches Zeug«, krächzte er.
»Ja. Willst du noch einen?«, fragte der Waffenschmied erheitert.
Sid nickte nur. Göd holte ein neues Gefäß für Sid hervor und füllte es. Wieder brannte das Getränk in seinem Magen, wieder musste er sich schütteln. Göd war offensichtlich amüsiert.
»Genug jetzt«, sagte er, nach Luft schnappend.
Der Schmied stellte den kleinen Krug wieder unter den Tisch und lehnte sich zurück.
»Der Offizier muss jeden Moment hier sein.«
Sid hielt die Gelegenheit für günstig, den Schmied zu fragen, was er von der verlorenen Schlacht wusste.
»Hast du von der Schlacht gehört, Göd?«
»Acceras? Nicht viel. Ich habe von den durchziehenden Soldaten das eine oder andere aufgeschnappt.«
»Was sagten sie?«
»Sie waren niedergeschlagen. Sie hatten so auf den Sieg gehofft. Sie haben von besseren Zeiten geträumt. Dieser Traum wurde von Verrat zerstört, so erzählten sie.«
»Sprachen sie über den Verräter?«
»Keine Ahnung. Ich glaube aber, dass sie über eine sehr hochgestellte Person sprachen.«
»Wie kommst du darauf?«
»Immer, wenn die Sprache auf den Verräter kam, fingen sie an zu flüstern und sahen sich ängstlich um. Ich verstand nicht viel von dem, was sie sagten. Einmal hörte ich nur, dass einer davon sprach, dass ein Sanguenritter schuld an der Niederlage war. Mehr weiß ich nicht. Warum fragst du das?«
Sid senkte seine Stimme.
»Ich war dort. Ich habe Freunde verloren. Sie mussten sterben, weil wir verraten worden sind. Der Sieg war so nah. Irgendjemand muss dafür bezahlen.«
Göd Emerz spürte den unterdrückten Zorn in der Stimme des Wanderschmieds.
»Ja. Aber die Herrscher werden uns zum Sieg führen«, sagte Göd voller Inbrunst.
»Das werden sie.«
»Hältst du es für möglich, dass die Krieger recht haben, Sid?«
»Nein. Ich habe einige der Sanguenritter in der Schlacht gesehen. Sie haben sich mutig jedem Feind gestellt. Einer von ihnen ein Verräter? Die Herrscher würden das nicht zulassen.«
Sid wollte dem Schmied nicht sagen, was er bisher darüber wusste. Er hoffte immer noch, dass kein Ritter eine so schmähliche Tat begangen hatte und dass die Herrscher dies nicht zugelassen hatten.
Von der Gasse drangen Geräusche in die Schmiede. Kurz darauf betrat der erwartete Offizier den Raum. Er war in die übliche, dunkelgrüne Lederuniform gekleidet. Er trug sein gelbes Haar streng nach hinten gekämmt. Sid kannte ihn. Dieser Krieger hatte mal zu einem Trupp gehört, den er, Sinan Eldar, in den Kampf geführt hatte. Glücklicherweise war es in der Schmiede nicht sehr hell und Sids Gesicht war dreckverschmiert. Er vermied es aber, den Elfenmann direkt anzusehen. Mit dem Offizier hatten auch zwei Cwok Soldaten die Schmiede betreten. Göd und er erhoben sich und verbeugten sich vor dem Elfenkrieger.
»Die Herrscher gestalten den Tag«, sagten sie gleichzeitig.
Göd trat einen Schritt vor und wartete, seinen Kopf gesenkt, dass der Offizier ihn ansprach.
»Du hast meine Bestellung fertig?«, fragte der Krieger in einem überheblichen Tonfall.
»Ja, hoher Herr«, erwiderte der Schmied und deutete auf die neuen Schwerter, die auf der Werkbank lagen.
»Ich hatte auch eine besondere Hilfe. Das ist Sid, der Waffenschmied.«
Er zeigte auf seinen Gehilfen.
Der Elfenkrieger musterte Sid ausführlich. Zu ihm gewandt sagte er:
»Ich habe schon von deinen Fertigkeiten gehört. Deine Klingen gehören zu den Besten.«
»Zuviel der Ehre, hoher Herr. Die Herrscher leiten mich«, sagte Sid unterwürfig, ohne den Offizier anzusehen.
Der Elfenkrieger ging zu der Werkbank und nahm eins der Schwerter in seine Hand. Fast zärtlich berührte er die scharfe Klinge, streichelte sie sanft mit seiner anderen Hand. Er hielt die Waffe in das Licht einer Kerze, welches sich in dem polierten Metall spiegelte.
»An unseren Waffen hat es nicht gelegen«, sagte er gedankenverloren, immer noch das Schwert betrachtend.
»Hoher Herr?«, fragte Göd verständnislos.
Der Krieger sah die beiden Menschen an.
»Acceras. Die Niederlage. Wir haben mutig gekämpft, wir hatten gute Waffen. Wie diese.«
In seiner Stimme schwangen gleichzeitig, Wut, Traurigkeit und Bedauern mit.
»Ich war auch dort. Wie kam es zu der Niederlage?«, fragte Sid.
Der Offizier gab den beiden Cwoks ein Handzeichen. Die zwei Soldaten nahmen die anderen Schwerter wortlos an sich und verließen die Schmiede.
»Ein unglaublicher Verrat hat stattgefunden«, flüsterte er.
Dann kehrte sein überheblicher Tonfall zurück.
»Was kümmert es euch? Ihr seid nur Waffenschmiede.«
Sid war klar, dass der Elfenmann kein Wort mehr über Acceras verlieren würde.
»Verzeih, hoher Herr. Wir waren neugierig«, beschwichtigte Göd Emerz demütig und verbeugte sich.
»Ihr habt gute Arbeit geleistet. Die Herrscher werden zufrieden sein.«
Der Offizier nahm drei Goldstücke aus einem kleinen Beutel, der aus dem gleichen, dunkelgrünen Leder gefertigt war, wie seine Uniform und gab sie Göd Emerz.
»Danke, hoher Herr. Immer wieder zu Diensten«, erwiderte der Schmied eifrig und verbeugte sich.
Der Elfenkrieger sah noch einmal zu Sid herüber, der sich auch verbeugt hatte, dann verließ er grußlos Göds Schmiede. Der Schmied schnippte eine Goldmünze mit seinen Fingern zu Sid rüber, der sie geschickt mit einer Hand auffing.
»Dein Anteil, Sid. Du hast gute Schwerter gemacht. Es war ein guter Tag.«
»Das war er, Göd. In der Tat«, erwiderte er und steckte das Goldstück ein. Er band sich die Lederschürze ab und legte sie über eine Werkbank.
»Es ist spät und ich bin müde. Ich werde jetzt eine Herberge aufsuchen, mich gründlich reinigen, ein Mahl zu mir nehmen und dann lange schlafen.«
Göd Emerz begleitete Sid nach draußen und verbeugte sich vor ihm.
»Du warst mir eine große Hilfe. Dir gebührt mein Dank. Mögen die Herrscher dich immer leiten, mein Freund.«
Auch Sid verbeugte sich.
»Mögen die Herrscher dich immer leiten.«
Der Wanderschmied folgte der Gasse ein Stück, bis er zu einer Herberge kam, in der er schon öfter übernachtet hatte.
Als er später gereinigt und satt auf dem Bett lag, dachte er über das nach, was er heute erfahren hatte. Es war nicht viel, aber scheinbar wussten die Krieger, die in Acceras gekämpft hatten, dass Verrat die Niederlage herbeigeführt hatte und sie ahnten, dass ein hoher Führer des Magistrats diesen Verrat begangen hatte. Sids Gedanken kreisten noch eine Weile um die Schlacht von Acceras, um Taelga und seinen Freund Aaghyl. Irgendwann fiel er in einen unruhigen Schlaf.
Als er am nächsten Morgen erwachte, fühlte er sich immer noch müde und erschöpft. Er nahm ein karges Frühstück ein, das aus grauem Nahrungsbrei und etwas hartem Brot bestand. Es wurde Zeit aufzubrechen. Es wurde Zeit wieder Sinan Eldar zu werden. Sid wollte bis zum Abend den Pass erreichen, an dem er sich mit Aaghyl treffen wollte. Er freute sich darauf, seinen Freund wiederzusehen. Der Wanderschmied verließ die Herberge und machte sich auf dem Weg zum Südtor. Als er außer Sichtweite von Goldbruch war, wurde aus Sid, der Wanderschmied wieder Sinan Eldar, der Sanguenritter. Er ließ seinen Reitdämon erscheinen. Er trug jetzt wieder seine schwarzviolette Lederuniform. Der Sanguenritter ritt nach Süden, dem Blausteingebirge entgegen.